The Wolf Among Us – Einmal der große böse Wolf sein

Nachdem ich „Life is Strange“ gespielt hatte, musste neuer Stoff her. Ich hatte Blut geleckt. Der ganze „Deine Entscheidung entscheidet den Verlauf des Spiels“-Kram ist genau mein Ding. „The Wolf Among Us“ sollte also genau mein Ding sein.
Und Überraschung: war es auch.
The Wolf Among Us
Wir sind Sheriff Bigby. Der große böse Wolf. Wir leben in Fabletown und werden erst mal ganz sanft mitten in eine etwas heiklere Situation geworfen und dürfen uns prügeln. Das war im ersten Moment etwas .. seltsam. Das lag jedoch in erster Linie an der Steuerung, worauf ich aber später noch mal genauer eingehen werde. Wer Quicktime Events mag, ist hier genau richtig.
Doch es dauert nicht lange, bis man im Spielfluss drinnen ist und dann fängts auch schon an Spaß zu machen.

Der Cel-Shading-Look ist wahrscheinlich das, was das Spiel so unglaublich besonders und anders macht. Im Nachhinein fällt es mir auch ziemlich schwer einen anderen Look für dieses Spiel vorzuschlagen. Es passt halt einfach.
Auch der Soundtrack ist sehr intensiv und wie das Spiel einem selber rät noch viel besser, wenn man sich Kopfhörer aufsetzt.

Wir, also der große böse Wolf, lösen einen Fall, der von Episode zu Episode größer und verzwickter wird. Dabei spielen unsere Entscheidungen insofern eine Rolle, als dass sie uns bis zum Ende des Spiels nachhängen. The Wolf Among Us
Ich habe versucht immer die beste Entscheidung zu treffen. Das mag jetzt ziemlich logisch klingen, jedoch habe ich nie aus reiner Wut gehandelt, so wie man es in manchen Momenten sehr einfach hätte tun können. Außerdem habe ich versucht immer das Vorbild zu spielen und alles richtig zu
machen. Was das über mich als Person aussagt, sei jetzt einfach mal so dahingestellt.
Doch schnell wurde mir auch bewusst, dass es hier nicht um Recht und Ordnung geht, sondern um mich (mich als Wolf, versteht sich) und meine Vergangenheit und dem Glauben der Bürger in mich als Sheriff dieser kleinen völlig abgefuckten Stadt.
Das macht es wirklich schwer die „richtige“ Entscheidung zu treffen, weil um richtig oder falsch geht es in dieser Geschichte eigentlich nicht.

Jeder, der Englisch kann wird bemerkt haben, dass „Fabletown“ „Märchenstadt“ heißt und hier wären wir auch schon bei dem Knackpunkt des Spiels. Wir stolpern über Märchencharaktere, und zwar über eine ganze Menge. Alleine die Idee eine Märchenstadt zu basteln und das Ganze durch eine manchmal etwas bizarre, doch unglaublich brilliante Story zu verbinden. Hut ab. Die Charaktere leben ihre größten Stärken und Schwächen aus. Von Gutmütigkeit über Cholerik, bis hin zu meisterlicher Hinterlistigkeit ist so ziemlich alles dabei.
Telltells Art von Storytelling muss man mögen. Ich fands ganz okay, bin aber doch eher der Typ Mensch, der sich alles genau anschaut und lieber daraus ein paar Informationen zieht und im Gegenzug auf ein paar Cutscenes verzichtet.

Desweiteren sollte man einigermaßen gut Englisch können oder zumindest die Untertitel einstellen. Viele der Charaktere haben Akzente und während man Entscheidungen trifft, läuft die Zeit ab. Also mit „in The Wolf Among UsRuhe alles durchlesen“ ist man hier leider falsch.
Das sind zwei Punkte, die leider auf meiner Negativliste landen. Ich mag es mir Sachen reiflich zu überlegen und erforsche lieber selber, als alles vorgesetzt zu bekommen.
Auch hätte ich mir mehr alternative Gespräche gewünscht und nicht ausschließlich diese schlauchige Durchführung.
Die Story wurde auf die Episoden ganz gut aufgeteilt, auch, wenn ich in Episode 5 irgendwann das Gefühl hatte „das wird nix mehr“, dann vom Ende aber doch recht gut unterhalten war. Plot-Twists müssen einfach gut gesetzt sein und ich stehe auf Abgänge mit einem lauten Knall. Der hier war einfach perfekt gesetzt und trotzdem nicht zu viel und nicht zu wenig. Außerdem ist Raum für Spekulationen immer gut.

Die Steuerung ist mit Gamepad recht solide gemacht. Zuerst habe ich mit Tastatur und Maus gespielt, was ich jedoch schnell aufgegeben habe. Das war einfach nicht die perfekte Lösung für mich, zumal ich sowieso eher die Konsolenspielerin bin.
Das einzig nervige waren die Zieltreffer im Kampf mit dem rechten Stick. Sie wechselten sich mit den Quick-Time-Events ab und dadurch war manchmal etwas Fingerchaos auf dem Gamepad.
Aber das sind Dinge über die ich eigentlich recht gut hinweg sehen kann. Sowas versaut mir das Spiel nicht.

Fazit – The Wolf Among Us:

Alles in allem ein unglaublich gutes Spiel, was mehr mit dem Gewissen des Spielers spielt, als mit dem Willen die richtige Entscheidung zu treffen.
Die Ablaufzeiten bei den Entscheidungen sind zwar nicht nach meinem Geschmack, aber das gesamte Konstrukt des Spiels macht eigentlich alles richtig.
Die Idee und die Durchdachtheit der Geschichte sind unglaublich brilliant und mal was ganze neues, was ganz frisches in der Spielewelt. Kein Aufwärmen von alten Geschichten, kein „wir erfinden das Rad neu“-Versuch, der völlig in die Hose geht. Man nimmt was da ist und macht das Beste draus. Und genau das hat Telltell wirklich verdammt gut geschafft.

Erscheint am: 06. November 2014
USK: 18
Publisher: Telltale Games
Konsole: PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, PC, Mac (gespielte Plattform)
Kaufen: KLICK* (PS4 und Xbox One im Konsolenstore)

 

 

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