Assassin’s Creed – Syndicate – Gender Rolls und Spielwelt-Liebe


Irgendwas lag schon seit Teil 3 in der Luft, was das Franchise „Assassin’s Creed“ ein wenig unhandlich macht, irgendwie nicht mehr passend. Nach langer Überlegung und dem Spielen von „Assassin’s Creed – Syndicate“ denke ich, dass ich zu dem Grund gekommen bin.

Grade in diesem Teil wird es mir wieder ein mal bewusst: das hier ist kein Assassin’s Creed mehr.
Ja, wir bewegen uns über Häuserdächer, ja, wir haben starke Kampfskills, ja, wir tragen coole Umhänge und bringen stealth-mäßig (was übrigens wieder Spaß macht) ganz, ganz böse Menschen um, aber so richtig gut anfühlen tut es sich nicht.

Assassin's Creed - Syndicate

Die Story ist recht simpel. Diesmal verkörpern wir ein Geschwisterpaar. Jacob und Evie Frey. Als Jacob jagen wir  einem bösen Unternehmer hinterher und als Evie versuchen wir das Edentuch zu finden. Damit bleibt der Storystrang „Edensplitter“ erhalten, wenn auch ein wenig karg und als Nebenschauspiel. Quer durch London versuchen wir die gegnerische Gang – die Blighters – zu elemenieren um die Herrschaft über die Disktrikte zu bekommen.
Die Waffen sind interessant, auch die Möglichkeit zwischen ihnen zu wählen finde ich nett. So personalisiert man seine Spielfigur und das Spiel macht kleine Abstecher in RPG-Welten.
Das Herstellungsmenü haben sie super hinbekommen, einziges Problem: man befindet sich nie, wirklich NIE in Materialnot. Das mindert den Sammeltrieb.
Das Kampfsystem unterscheidet sich kaum zu anderen Spielen der Reihe, fühlt sich aber recht rund und ausballanciert an.
Ein Skill-System ist der verzweifelte Versuch ein wenig Pepp in die Sache zu bringen, und ich muss zugeben, dass es funktioniert. Auch, wenn der Grundgedanke, dass man durch das grundlose Töten von Wachen ebenfalls EP bekommt, etwas doof ist. Ich bin Assassine keine Massenvernichtungswaffe.
Im Nachhinein hätte ich lieber etwas früher in die Gang-Updates investiert, das hat doch am Ende ganz schön Spaß gemacht, auch, wenn das Reisen zum Zug in etwa 30% der Spielzeit eingenommen hat.
An den Ladezeiten hätte Ubisoft also noch ein wenig arbeiten können, das ist nicht mehr ganz zeitgemäß.

Kein Kredo mehr, wir haben eine „Gang“. Wir töten böse Industriemenschen, die zufällig ALLE den Templern angehören, lösen, damit es auch wieder zum 30sten mal aufgewärmt wird, ein erneutes Edensplitter-Rätsel Gedöns und zu allem Überfluss landen wir völlig zusammenhangslos im 1. Weltkrieg.

Doch ich möchte das Spiel hier nicht durch den Kakao ziehen. Es hat Spaß gemacht, doch man hätte dem Spiel auch einen anderen Titel geben und Evie und Jacob die Umhänge wegnehmen können, mehr „Assassin’s Creed“ hat das Spiel nämlich nicht. Ähnlich wie die zahllosen Vorgänger.

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Die Grafik ist toll, bis man in Westminster vor dem Park steht uns sich denkt „Das habt ihr in AC III vor 3 Jahren aber schon besser gemacht“, doch ich will nicht zu kleinlich sein, die Stadtteile sehen größtenteils wirklich schln aus.

Die Charaktere sind ein kleines Problem. Evie ist unglaublich sympathisch, hat aber, warum auch immer, mit der Hauptstory „Starrik das Handwerk legen“ überhaupt nicht zu tun. Da muss der starke, völlig überhebliche, Bruder ran. Der kann ja auch schließlich fester draufhhauen.
Schwesterchen darf in der Zwischenzeit Edensplitter-Kram machen. Inwiefern das ein Statement zu dem verweifelten Versuch ist eine Frau in dem Assassin’s Creed Franchise zu etabelieren, weiß ich nicht. Jedoch hatte ich unglaublichen Spaß mit Evie über die Dächer zu sprinten, was in diesem Fall deutlich für sie spricht.

Die Gegner sind recht gut ausbalanciert und auch der Soundtrack ist klasse, wenn auch zu selten zu hören. Kinderkrankheit Assassin’s Creeds. Erwähne ich ja nicht zum ersten mal. Die Idee mit „Londons Geheimnisse“ finde ich toll. Ein wenig Herz steckte also doch in dem Entwicklerteam.

Assassin's Creed - Syndicate
Die freischaltbaren Gegenstände haben meinen looten&leveln-Trieb aufleben lassen und ich habe deutlich schneller alle Stadtteile befreit gehabt, als ich in der Hauptstory voran kam.
Das ist übrigens auch der wahrscheinlich größte Pluspunkt am Spiel. Die Kinderbefreiungen und Templerjadgen machen verdammt noch mal Spaß. 100% Synchronisierung sind wieder ein Ziel, weil es sich zum verrecken noch mal genial anfühlt, wenn man ohne Alarmglocken alle Kinder befreit hat.

Fazit:

6 von 10 Sternen

Ich bin so unglaublich hin und her gerissen.
Ein cooles looten&leveln System leidet unter wirklich schlechter Story und mieser Charakterzeichnung. Ein wenig mehr Soundtrack und ein bisschen mehr Anstrengung was die Grafik, zumindest in Westminster, betrifft hätte ich mir gewünscht.
Ich habe leider keinen Verbesserungsvorschlag für Ubisoft, doch für mich verliert dieses Assassinen-Thema langsam seinen Reiz, vielleicht hat es wirklich nur eine Daseinsberechtigung im 11 bis 16 Jahrhundert.
Alles in allem kein grandioses Spiel, doch ganz nett für zwischendurch. Einfach noch ein halbes Jahr warten und für 30€ abstauben.
Doch jetzt, Ubisoft, wartet BITTE einfach mal 2 oder mehr Jahre und macht einen guten nächsten Teil. (Gerne auch ein paar Jahrhunderte vorher in der Geschichte)

Erscheint am: 25. Oktober 2015
USK: 16
Publisher: Ubisoft
Konsole: PS4 (gespielte Konsole), Xbox One, PC
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Die Bilder sind mein Eigentum und wurde von mir ingame gescreenshottet.

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2 Kommentare

  1. Schöne Review 🙂
    Ich hab zwar Syndicate selbst nicht gespielt, aber ich hab das Gefühl, dass du mit deiner Einschätzung, was (so ziemlich seit dem Ende der Ezio-Spiele) bei AC falsch läuft, ziemlich recht hast. Ich hatte z.B. im Grunde sehr viel Spaß an den Spielmechaniken von Black Flag, aber diese Story… Meh. Mal ganz davon abgesehen, dass die da z.T. echt einfach faul mit den Handlunsverläufen waren, war es eben eigentlich schon da so, dass es ein nettes Piratenspiel war, aber das Assassinen-Feeling gefehlt hat. (Dasselbe galt auch für III, das ich selbst in mehreren Anläufen nie durchgespielt habe, auch wenn ich bisher nie wirklich drauf gekommen bin, woran’s jetzt eigentlich genau lag.)
    lg
    Hekabe

    • Danke dir!
      Ich habe letztens lange mit meinem Podcast Kollegen darüber diskutiert, vielleicht bekommen wir das im Podcast noch was besser erklärt.
      Ja, Black Flag macht zwar Spaß, aber es kommt halt irgendwie keine Assassinen Stimmung auf. Es könnte genau so gut ein beliebig anderes Spiel mit klettertalentiertem Hauptcharakter mit super duper Klinge sein.
      Und was III angeht .. ich hätte es meiner Frusttrationsgrenze sehr gewünscht, dass ich es früher weggelegt hätte. 🙁

      Liebe Grüße 🙂

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