KLARTEXTE: Ich glaube ich möchte die Welt verändern

Ich glaube ich möchte die Welt verändern

Ich will die Welt verändern. Zumindest glaube ich das, wenn ich morgens aufstehe, die Rolladen hochziehe und das kalte, gefrorene Feld vor mir sehe. Auch bei dem ersten Tee glaube ich das noch. Ich überlege worüber ich heute blogge, denke über mein nächstes Instagram Bild nach, als der Postbote klingelt und mir das Rezensionsexemplar in die Hand drückt. Ich glaube er denkt ich seie reich, bei der Menge an Post, die er hier abliefert. Und auch wenn ich den Blogpost zu genau diesem Buch schreibe, fühle ich mich als könnte ich die Welt damit verändern. Doch das tue ich nicht.

Welt verändern
Momentan dreht sich alles um kreieren. Alle wollen die Welt verändern indem sie kreieren, reisen, das perfekte Foto machen, alles in Vlogs festhalten, ganz viel gute Musik hören und den besten Kaffee ihres Lebens in dem weit entferntesten Land trinken, um das dann auf Instagram zu posten. Allen wollen das machen, was Millionen Likes zieht, was ein viraler Hit wird, was Aufsehen erregt, was minutenlangen Ruhm mit sich bringt und Herzen höher schlagen lässt. Alle wollen, dass du auf Twitter an ihrem Tweet kleben bleibst und auf ihrem Bild bei Instagram hängen. Alle wollen mehr.
Ich sage nicht, dass ich das nicht gut finde, ich fühle mich nur bei dem Konsum der oben genannten Dinge bodenlos. Wie als hätte ich den TV angeschaltet, drei Stunden irgendwas geguckt, nur um in dem Moment das Loch zu stopfen, in das mein Hirn nach 8 Stunden Arbeit verfällt. Es fühlt sich einfältig an, nicht wahrhaftig.

Welt verändern
Ich nehme mir immer wieder vor besser zu konsumieren. Mehr „schlechten Konsum“ auszublenden und nur guten zuzulassen. Mehr Bücher, Serien nur noch über Netflix – ich möchte selber bestimmen. Youtube-Abos ausmisten und inspirierende Känäle reinpacken, das alte Zeug raus auf den Sperrmüll stellen und das Zimmer neu einrichten. Einfach was neues machen, mich besser fühlen. Gutes produzieren und keinen Quatsch raus in die Welt zu pusten. Gedanken festhalten, das besser zu machen, was ich bei anderen scheiße finde. Inspirieren, anderen den Atem verschlagen und sie zum nachdenken bringen. Mich zum nachdenken bringen. Über neues.

Doch gut und neu ist schwer. Gut und neu verlangt Geld. Inovation und Inspiration haben zwischen den unzähligen Youtube-Hauls und Fitness-Bloggern keinen Platz mehr, wenn sie nicht mit der Canon 5D gefilmt wurden oder die neusten Nike-Running Produkte enthalten. Das finde ich schade.
Was gutes zu kreieren basiert fast nur noch auf optischer Qualität. Niemand klickt ein Video, wenn es nicht in 1080p verfügbar ist und niemand liest sich einen Post auf einem Blog durch, dessen HTML-Layout von 1998 ist.

Trotzdem denken alle sie könnten durchstarten. Auch ich denke das noch. Glaube ich zumindest. Nein, ich wünsche es mir. Ich wünsche mir schreiben zu dürfen. Für mein täglich Brot und für meine Wohnung. Ich würde ja Minecraft Let’s Plays dafür machen, aber wie es das Schicksal will, ist mein Internet zu schlecht um ruckelfrei zu streamen. Für besseres Internet habe ich kein Geld. Gut verlangt Geld.

Welt verändern
Mein Kopf ist voller Ideen und Dinge die ich machen möchte. Kaum da, verwerfe ich sie weil das drumherum fehlt. Es fehlen „Connections“ und „Namen“ und Ausrüstung. Es fehlt Plattform, Publikum und Anerkennung.

Doch wenn das mit dem Welt verändern heute nicht klappt, probiere ich es morgen noch mal, denn es macht Spaß. Es macht Spaß zu kreieren, zu schreiben, zu fotografieren, zu musizieren und zu spielen. Es macht Spaß zu berichten und es macht Spaß das mit euch zu teilen. Und solange es mich erfüllt, muss ich damit nicht die Welt retten.

(Fotos von pexels.com)

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6 Kommentare

  1. Mir gefällt dein Beitrag sehr gut! Viel muss ich dazu gar nicht mehr sagen. Du hast ihn wirklich schön geschrieben und ich stimme dir auch in den genannten Dingen zu! Jeder will mehr, mehr mehr… Da finde ich es ganz schön, wenn man sich selbst bewusst wird, was einem einfach Spaß macht und was man gerne FÜR SICH machen sollte. : )

    Liebe Grüße,
    Karin

  2. Wow, was für ein grandioser Beitrag. Ich habe deinen Blog erst durch Hekabe von Geekgeflüster entdeckt und mich sofort ein bisschen verliebt 🙂 Du bist also in meinem Kopf „kleben geblieben“ 🙂
    Ich weiß gerade gar nicht so ganz was ich dazu sagen soll, außer dass es mir genau so geht und ich es genau so sehe wie du.
    Danke dir für diesen Beitrag 🙂

    • WOW!
      Danke dir, das sind wundervolle Worte und macht mir ein ganz warmes Gefühl im Bauch!

      ps. Ich lese deinen Blog übrigens auch dank Hekabe! 🙂

      Liebste Grüße :))

  3. … und während Tasmetu über Hekabe hergekommen ist, fand ich meinen Weg über Tasmetus aktuellen Artikel zu dir, schon witzig 🙂

    Wunderbare Worte und ganz einfach wahr. Danke dafür! Ich bin froh, dass ich nicht die einzige bin, die dem ganzen hektischen Wahnsinn nicht mehr hinterher rennen möchte, ohne dabei Spaß zu haben. Ideen im Kopf, Neues ausprobieren und dabei sich selbst treu bleiben – das klingt gut 🙂

    Danke für ermunternde Worte ♥

    Liebe Grüße
    Sandra

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