KLARTEXTE: Von der Realität und dem Weltraum

Manchmal denke ich über den Weltraum nach. Und über Unermesslichkeit.
Heute saß ich im Garten, las ein Buch, hörte Soundtracks und schaute in den Himmel. Dabei wurde mir mal wieder bewusst wie beruhigend Unermesslichkeit sein kann.
Dinge, über die man weder Kontrolle, noch Wissen hat. Gedanken, die weit außerhalb der eigenen Vorstellungskraft liegen.

Realität
Wenn ich nicht grade über den Weltraum nachdenke, erwische ich mir dabei, wie ich Leute beobachte. Nicht auf die seltsame Art und Weise, sondern ich stelle mir Fragen zu diesen Menschen.
Und wenn ich mich dabei noch in einer Großstadt befinde, passiert immer etwas unglaublich spannendes. Ich schaffe es für ein paar Minuten Sorgen, Ängste, Gedanken und Furcht abzuschalten und mich nur mit den Gedanken anderer Menschen zu beschäftigen. Denn Menschen denken sehr viel nach, genau wie ich, genau wie du, und das vergesse ich nur allzu oft.
Für eine Kleinstädtlerin wie mich ist es immer eine Mischung aus Touri-Tripp, Reizüberflutung und Faszination in einer Großstadt unterwegs zu sein. Da ich in einer nahgelegenden Großstadt bereits Abi gemacht habe und auch studiert habe, wurde das für mich also schnell zum Alltag. Doch trotzdem war es immer so, als würde ich eine Schallgrenze mit dem Zug durchfahren, an der die schiere Menge der Gedanken und Menschen einfach abfällt.
Vielleicht kennt ihr das von der Autobahn. Beobachtet man eine Autobahn von einer Brücke, Raststätte aus oder auf der Fahrt selber, sieht man hunderte Gesichter, die man nie zu vor gesehen hat.
Wo fahren diese Menschen alle hin? Und wo kommen sie eigentlich her? Und wieso fahren sie überhaupt dorthin? Wieso kommen sie dorther?

Realität
Das Gleiche passiert an Bahnhöfen. Stress, laufende Menschen, schlenderne Menschen. Menschen die sich wiedersehen, Menschen die sich verabschieden, Tränen, Lachen, Drogen, Starbucks-Becher, Donuts, Brezeln, Angst, Glück und Routine. Alles schon mal gesehen, doch jedes mal stelle ich mir die Frage „was denkt die Person grade?“. Und in diesem Moment mitten im Bahnhof, auf der Autobahn, in der Schule, im Freibad oder auf einem Konzert, wo hunderte von Menschen sind, stelle ich immer weder fest, dass meine Realität nicht der Realität dieser Menschen entspricht. Ich sehe nicht das gleiche wie sie.

Alles ist emotionsgesteuert, alles hat diesen bestimmten Beigeschmack. Die einen fahren gerne Bahn, für die anderen ist es der pure Horror. Die einen mögen Menschenmassen, die anderen würden am liebsten fliehen.
Es ist unglaublich erschreckend, dass jeder Mensch in sich eine kleine Welt trägt. Einen kleinen Kosmos. Eine kleine Ansammlung von Meinungen zu unfassbar vielen Dingen, die alle irgendwie belegt sind mit Emotionen, Erinnerungen, Erfahrungen. All das, was wir am Tag erleben, jeder Gedankengang, prägt unsere eigene Realität und davon hat jeder eine eigene im Kopf.
Diese schiere Unermesslichkeit ist angsteinflößend, aber auch beruhigend. Beruhigend in der Hinsicht, dass meine Sorgen und Ängste vielleicht unbegründet sind, was sie natürlich nicht weniger relevant oder präsent macht, aber es ändert die Perpektive.

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Das wunderschöne daran ist, dass sich jeder seine Realität so gebastelt hat, wie er es möchte. Doch trotzdem gibt es so viele Dinge, die uns alle berühren.
Musik, Kunst, Literatur, Sport, Politik, Liebe. Dinge, die in unser aller Realität einen Platz haben und an denen wir gemeinsam arbeiten nur um unsere eigene Realität mit Dingen zu füttern, die wir mögen. Sei es ein Youtube-Video oder ein Gesetzesentwurft. Wir haben so viele Möglichkeiten unsere eigene Realität zu basteln und sollten uns das niemals absprechen lassen, denn irgendwo zwischen all diesen Ohren da draußen, befindet sich ein bestimmtes Gehirn mit einer Realität, die das schon geschafft hat, gezeigt hat, dass es möglich ist. Wie schön könnte es nun also sein die Realität anderer zu füttern? Doch genau das können wir. Mit einem Lächeln, ein paar lieben Worten oder einer Aufmerksamkeit.

Bilder: http://pexels.com

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