KLARTEXTE: Warum Instagram unsere Gesundheit zerstört

Als ich meine Reise als Part-Time-Fitnessbloggerin gestartet habe, habe ich nicht erwartet, über so viel Scheiße zu stolpern, wie ich es nun letzendlich tue.
Ich wollte kein Zeichen setzen, ich wollte teilen. Infos, Ideen, Tipps, Tricks und vor allen Dingen mein Wissen. Wie groß die Instagram-Fitness-Kultur wirklich ist, ist schockierend und eigentlich recht schön zur gleichen Zeit.
Es gibt unendliche „from fat to fit“-Accounts, was eine sehr schöne Bewegung ist. Versteht mich nicht falsch, ich akzeptiere jeden Menschen so wie er ist. Auch Fett ist schön. Genau so schön wie dünn, wobbelig, hubbelig, aalglatt oder dellig. Alles schön. Doch mit dem Fett kommt leider ab einem bestimmten Punkt die Gesundheit dazwischen und weigert sich so weiterzumachen. Viele erkennen diesen Punkt und sagen „so nicht“ und starten ihre Fitnessjourney.
Solange man sich wohl und gesund fühlt, ist das Gewicht vollkommen egal, doch als Fitnessblogger auf www.eatsleeptrain.de sehe ich es als meine Aufgabe zu vermitteln WIE man sich denn wohl und gesund fühlen kann.

Das hier soll keine Lobrede an mich selbst werden, ich bin kein verzogenes Youtube-Kind, was sich gerne in Kommentaren feiern lässt, geschweige denn überhaupt viele Kommentare unter Bildern und Texten bekommt.
Doch ich habe Wissen, habe eine Ausbildung im Sport und Fitnessbereich und ich habe Macht. Macht diese zu teilen. Doch immer mehr Menschen denken sich, sie wären Wissenschaftler. Rufen sich selber „Coach“ oder „Personal-Trainer“ auf Plattformen wie Twitter, Instagram und Facebook. Dabei dokumentieren sie ihr eigenes Leben, ihre Diäten – aber eigentlich sind das keine Diäten, Diäten sind nämlich voll uncool (Wortlaut), bewerben plakativ ihr Trainingsprogramm, was euch mit 20 Minuten Bauch-Beine-Po wöchentlich einen Traumkörper zaubert. Ernähren sich „all natural“, aber schieben sich ohne Ende Ernährungsergänzungsmittelchen rein.
Doch auch diese Menschen haben ihre Existenzberechtigung. Schwierig wird es nur an dem Punkt, an dem sie meinen ihr „Wissen“, welches ausschließlich ihre eigene Körperwelt, Funktionswelt und Ernährungswelt betrifft, teilen zu müssen.
Da wird über Intermittent Fasting gesprochen, eine Diät, bei der man lediglich jeden zweiten Tag isst, aber gleichzeitig Bilder von Pudding Oats gepostet, getopped mit einer ganzen Tafel Milka Schokolade – circa 1500-2000 Kalorien. Das ist ungefähr ein Drittel mehr als mein persönlicher Tagesbedarf an Kalorien. (Bsp: Grizztoph)
Die Message die damit vermittelt wird ist eindeutig: „Guckt mal, ich hab einen geilen Körper, esse täglich 4000 Kalorien und nehme davon nicht zu“.
Jeder normale Mensch würde bei 4000 Kalorien am Tag schlichtweg dick werden, sich die Schilddrüse zerstören und vermutlich schlimme Akne, Esssucht oder andere Probleme entwickeln.
Was die Fitness-Accounts jedoch nicht dazu schreiben, ist, dass sie eben jeden zweiten Tag nichts essen und einen täglich Energieverbrauch (Sport, Bewegung, Ruhekalorien) von knapp 4000 Kalorien haben. Damit bleiben genau 0 Kalorien am Tagesende übrig. Damit haben sie nicht zu und nicht abgenommen, höchstens Muskelmasse dazugewonnen.
Diese (fehlenden) Informationen machen unsere Ernährungsweise kaputt, zerstören unsere Gesundheit, wenn wir uns voll drauf einlassen und wirken sich unfassbar schlecht auf unseren Einstellung aus. Man kann bei einem normalen Energieverbauch von 2x-3x Sport in der Woche und dem täglichen Verbrauch einfach nicht 1,5kg Puddingoats mit einer Taffel Schokolade täglich essen ohne zuzunehmen bzw. um abzunehmen. Das funktioniert einfach nicht. Natürlich macht viel Schokolade schlichtweg dick, kann aber in Maßen und geregelten Mengen (1-2 Tafeln die Woche für sehr süchtige) absolut legitim und normal sein.

instagramEs hat schon etwas von Völlerei, wenn man sieht, wie viele Kilo Gemüse oder Schokolade, oder Low Carb Brownies sich manche Fitness-Accounts auf Instagram täglich reinziehen. Dass vieles davon entweder direkt wieder in den Schrank verschwindet, oder eben mit vier Stunden Cardio täglich abtrainiert werden, erfahren wir nicht.

Doch nun mal weg vom Irrglauben und hin zu den größten Problemen. Im Internet scheint momentan der Trend rumzugehen, sich eine Traumidentität zuzulegen. Instagram bzw. Musical.ly Stars nennen sich selbst „Innovative Artists“ (eine Sparte von Künstlern, die Kunst anders und neu definieren. zB. Unterwassermalen etc.), doch was sie kreieren ist nicht so richtig klar. Lipsync Videos? Schöne Selfies? (Beispiel: Loren Gray, 14)
Jemand der auf einer Website ab und an Beiträge hochlädt ist freier Journalist, wobei der Begriff Journalist ja leider rechtlich nicht geschützt ist. Youtuber sind selbstständig mit ihren Videos, was eigentlich nur bedeutet, dass sie ein Gewerbe besitzen, welches man schließlich braucht um bei Google AdSense Geld zu verdienen. Und Fitness-Instagrammer? Die sind Coach! Wer hätte es gedacht?
Sie bieten kostenpflichtige Programme an, verkaufen Fanshirts, Flaschen, Matten („Merch“) und gehen Kooperationen ein und kennzeichnen diese nicht mal mehr.

Auf Instagram transparent zu sein ist absolut nicht schwer. Sich an Regeln halten, Kooperationen kennzeichnen usw. sollte keine Herausforderung sein, wird aber halt einfach nicht gerne gesehen.
Instagram ist das Paradebeispiels des Problems, wovor uns unsere Eltern vor 10 Jahren gewarnt haben „Du weißt nie, wer da wirklich hinter steckt!“ – das ist auf Instagram mittlerweile Realität.
Doch all das könnte uns schließlich absolut egal sein, wenn es nicht die Gesundheit beeinflussen würde.
instagramDabei rede ich nicht von meinem Blutdruck, der bei diesen Themen immer viel zu schnell nach oben schießt, sondern von denen, die es einfach nicht besser wissen.
Das Problem ist die Teiltransparenz. Zum einen wird alles was man isst geteilt, aber keine klare Zahlen der Workouts. Die Information, dass mein Essen 2000kcal hat, bringt leider Sport- und Ernährungsneulingen nichts, wenn man nicht teilt, dass man auch 1000kcal in der Cardio-Einheit verbrannt hat. Diese Teilinfos führen dazu, dass es so wirkt, als wären alle unfassbar schön und gut trainiert, fressen aber wie die Tiere Schokolade. Mein Paradebeispiel ist hier immer LeaLovesLifting. Sie spricht offen über ihre ehemalige Essstörung, futtert täglich aber laut eigenen Angaben 4000kcal und verbrennt mindestens 3000. Dass das sogar erneut in Richtung Essstörung gehen kann, ist eine andere Geschichte. Mal ein kleiner Vergleich: Ein BigMac hat 495 Kalorien. Damit könnte man also sagen, dass Lea 8 BigMacs am Tag isst. Das wäre also das Intermittent Fasting. Natürlich isst sie auch Möhren, Gurken, Salat (GREENS!) und co, aber der BigMac Vergleich nur mal für euch als Beispiel. Das mag für ihre sportliche Situation interessant sein, doch für viele ihrer Follower ein absolut falsches Vorbild. Abnehm-Journeys und Fit-werden-Accounts stapeln sich in ihren Followerlisten. Für diese wäre das Modell von ihr schlichtweg pures Gift.

instagramEin ähnliches Problem ist der steigende Drang zu Supplements. Jeder soll selber entscheiden, ob er seine sportliche Leistung mit Nahrungsergänzungsmittel oder leistungssteigernden Mittel zu boosten, jedoch sollte hier die Aufklärung besser sein. Einem Newbie mit Übergewicht wird Proteinpulver nichts nützen. Denn ist der sportliche Verbrauch an Protein von den Muskel nicht so hoch, wie von einem Leistungssportler bzw. einem sehr aktiven Sportler, wird der Proteinshake nach dem Training höchstens dazu führen, dass noch ein paar Kilos auf der Waage dazukommen.
Diese Infos schaden also dem Endverbraucher bzw. Konsumenten eher, als dass sie ihm etwas nützen, doch woher sollen sie es auch besser wissen? Aufgeklärt werden sie schließlich nicht. Die Instagram-Coaches informieren nicht mit Basic-Wissen, sie werfen nur subjektiven Kram in die Timelines. Das hat absolut nichts mehr von Coaches.

Kennt ihr noch diese ominöse Geschichte mit Heidi Klum, die immer Bilder mit Essen postet, aber irgendwann rauskam, dass sie das Essen gar nicht selber isst, weil es nicht in ihre Ernährung passt? Warum fällt es den Konsumenten bestimmter Social Media Kanäle so schwer, dieses Muster auch auf Instagram zu vermuten beziehungsweise sich überhaupt vorstellen zu können? Ich will das niemandem unterstellen, aber auch auf Instagram darf man kritisch sein, genauer hinschauen, hinterfragen und beobachten.

Dass ein jeder sich Coach nennen darf im Internet, wird sich nicht ändern. Die Nutzer stehen nicht auf Regeln. Impressum? Wer braucht das schon? Gewerbe anmelden? Ich verdiene Geld wie ich das will, Steuern jucken mich nicht. Doch irgendwann, wenn Konsumenten merken, dass ihre Vorbilder nicht für Probleme haften, nicht authentisch sind, ihre Werbung nicht kennzeichnen, man mit 2kg Puddingoats am Tag nicht abnimmt und, dass Proteinpulver nicht zum abnehmen führt, kommt das böse Erwachen.
Deshalb mein Appell an euch: seid kritisch. Nicht jeder „Instagram-Coach“ hat eine Lizenz, nicht jede Sportwissenschaftlerin kann dir wirklich gute Tipps geben, ebenso haftet niemand für das, was die Menschen mit diesen Tipps anstellen. Lass dich also ordentlich beraten, informiere dich ausführlich über Diäten, Supplements und Trainingsprinzipien, am besten von offiziellen Seiten. Nicht nur in der Instagram-Description unter dem Bild von XYs geilem Hintern.
Hier eine kleine Linksammlung von Seiten, mit denen ich während meines Abiturs und meiner Ausbilung gelernt habe. Dies ist offizielles Schul- und Bildungsmaterial.
Zu reinen Informationszwecken hier noch meine Qualifikationen: Freizeitsportleiterin und Übungsleiterin (C-Lizenz).

Trainingslehre: KLICK
Krafttraining: KLICK
Bewegungslehre: KLICK
Ausdauertraining: KLICK

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8 Kommentare

  1. Mir machen solche Blogger o.ä. auch Sorgen, weil sie ein völlig falsches Bild vermitteln. Die Botschaft, die durch sowas vermittelt wird ist fatal. Der Subtext ist ja. dass man nur erfolgreich, schön, glücklich ist, wenn man sowas macht. Leider nehmen sich das viele zu Herzen. Scheitern, dann weil wie du richtig beschreibst nur ein Teilbild mitbekommen und sind dann unglücklich.
    Da eine sehr gute Freundin von mir seit vielen Jahren eine schwere Essstörung hat, weiß ich auch was sowas im schlimmsten Fall auslösen kann.

    • Eben. Das mit den Essstörungen wollte ich nicht reinschreiben weil ich mich damit nicht gut genug auskenne, aber schon einiges dazu gesehen habe. Sehr schade einfach.

  2. Ich sehe nicht, warum gerade konkret Instagram unsere Gesundheit zerstört. Das ist doch sehr allgemein formuliert.

    Solche Zirkel von Selbstdarstellern wird man auch auf Facebook, Youtube, Twitter, in Blogs und Foren finden. Und auch in Muckibuden im Reallife.

    Generell sollte man davon ausgehen, dass im Internet die meisten Accounts mit tausenden, zehntausenden, hunderttausenden oder gar Millionen Fans und Followern nicht „echt“ sind. Dass da viel Marketing, Werbung, Business dahintersteckt. Nicht Authentizität. Natürlich gibt es ein paar „echte“ Leute, die zehntausende Fans verdient haben – aber das ist eben selten. Nicht jeder kann ein Star sein.

    Mein Eindruck ist weiterhin, dass gerade junge Leute diesen Accounts folgen (und auch selbst so berühmt werden wollen – wer kann das schon verdenken). Und ich glaube, das liegt auch daran, dass junge Leute einfach noch Zeit für sowas haben. Stundenlange Social-Media-Konsumieren (oder auch -Produzieren) oder auch Fitness-Trainieren am Tag geht nun einmal nicht, wenn man arbeiten muss.

    Ich nutze Instagram gelegentlich, um ein paar schöne Fotos zu veröffentlichen, die ich geknipst habe, und alle paar Tage zu schauen, was ein paar Freunde fotografiert haben. Natürlich haben wir keine tausenden Follower, sondern nur ein paar Handvoll. Aber ich habe auch nicht den Eindruck, Instagram (oder ein anderes Social Network) würde unsere Gesundheit gefährden. Es kommt halt darauf an, wie man die Technik wofür nutzt, ob man kritisch ist und in welchen Kreisen man sich bewegt.

    • Dass der Titel reißerisch formuliert ist, ist Absicht, auf den Titel komme ich aber im Text zurück.
      Ich nutze Instagram auch vollkommen normal, jedoch nicht nicht alle reflektiert, deshalb möchte ich dazu aufrufen! 🙂

  3. Und die Spieler der Fußballnationalmannschaft frühstückt gar nicht ausschließlich Nutella. Instagram ist eine Plattform für Selbstdarsteller und Selbstvermarkter, deshalb passiert da genau das, was in anderen Medien schon immer so war. Leute mit Sixpacks trinken Cola, Sportler fressen Snickers ohne Ende, Nutella ist das gesündeste Frühstück… belogen wird man überall. Es gibt ehrliche und gute Fitnessyoutuber- und Instagrammer. Die auch mal Sachen sagen wie „of course it’s hard, of course I’m hungry all the time“… so verdient man aber kein Geld. Man muss sagen, dass man jeden innerhalb von 12 Wochen sexy und schlank machen kann, ohne Aufwand, ohne Verzicht, einfach das Programm oder die Supplements kaufen und in 12 Wochen (warum immer 12?) ist das Sixpack da, egal wie die Anfangsbedingungen aussahen. Easy peasy.

    Die richtigen Profis – schon oft auf Youtube bemerkt – machen ihre Vorher-Fotos/Videos in der Massephase, gehen dann in den Bulk und sagen „Boah, 10 Kilo Fett weg und x Kilo Muskeln dazu, ihr könnt das auch.“ Mit einem geschulten Auge entlarvt man das schnell, ein Großteil der Leute wird drauf reinfallen. Aber auch hier: diese Art von Scharlatanen, Abzockern und Betrügern gab es auch schon immer, nur haben sie jetzt andere, leichter zugängliche Plattformen.

  4. Vielleicht solltest du dich im Vorfeld korrekt informieren, bevor du sogar Leute persönlich beschuldigst.
    Intermittent Fasting bedeutet nicht, dass man nur jeden zweiten Tag etwas isst, sondern dass man ein Zeitfenster von ungefähgr 16 Stunden zwischen der letzten Mahlzeit an Tag 1 und der nächsten an Tag 2 lässt; sprich: Montags letzte Mahlzeit um 20:00 Uhr = Dienstag erste Mahlzeit gegen Mittag.
    Darüber hinaus sind gerade @grizztoph und @lealoveslifting so vorbildlich und schreiben wirklich STÄNDIG dazu, dass sie einen ungewöhnlich hohen Kalorienverbrauch haben und jeder seinen eigenen bestimmen/herausfinden soll.
    Wer sich so wenig mit sich selbst auseinandersetzt, dass er es den beiden einfach ohne nachzudenken nachmacht, der wird auch magersüchtig, weil er Klamotten bei Zalando kaufen will und sich die Models dort anguckt!

    • Hallo Hannah,

      danke für deinen Kommentar.
      Im Internet gepostete Dinge gelten medienrechtlich als zitier/kritisierfähig und dürfen wegen persönlicher Darstellung angesprochen werden, deshalb ist deine Kritik hier leider nicht angebracht.
      Ich habe die beiden über längere Zeit verfolgt um mir ein Bild zu machen und da wurde nicht „STÄNDIG“ erwähnt, dass jeder seinen Kalorienverbrauch selber herausfinden muss, sorry.
      Man muss stets überlegen, wer in der Zielgruppe sitzt und sich seiner Verantwortung bewusst sein. Genau so wie es denen offensteht sich so zu verhalten, steht es mir offen dies zu kritisieren.
      So funktioniert das leider mit Kritik. Wer in der Öffentlichkeit steht, muss sich damit auseinandersetzen, genauso, wie du mich grade kritisierst.

      Gruß Caro

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