Eine Heldin namens Kamala Khan – Gastbeitrag

Bevor ich zum Thema komme muss ich mich euch erst einmal vorstellen. Mein Name ist Christian und der ein oder andere kennt mich vielleicht als reumeier von Twitter oder meinem kleinen Blog reumeiers dies und das.
Der ein oder andere fragt sich jetzt vermutlich: Schön und gut, doch was willst du dann hier? Nun, die Sache ist die, dass ich und Caro uns überlegt haben hin und wieder einen Gastartikel für den Blog des jeweils anderen zu produzieren. Cross-Promo funktioniert doch immer und es ist natürlich auch immer toll andere Projekte zu unterstützen. Da wir über das schnöde Verlinken (was wir allerdings auch vorhaben) hinausgehen wollen, wird nun in unregelmäßigen Abständen ein Blog-Post von uns auf dem Blog des Anderen erscheinen. Als erstes Thema habe ich mir hier eine kleine Charaktervorstellung ausgesucht. Die Wahl ist mir leicht gefallen und ich werde euch nun im Folgenden den Charakter: Ms. Marvel, beziehungsweise ihre neueste Inkarnation durch Kamala Khan vorstellen. Dazu muss ich jedoch erst einmal ein wenig ausholen.

Ein Inhuman ist ein Mensch mit Alien DNA und die Verwandlung eines Menschen zu einem Inhuman nennt man Terriginese. Diese Verwandlung wird durch den sogenannten Terrigen-Nebel ausgelöst. Während dem Marvel Event Infinity wurde dieser Nebel beim Kampf vom Inhuman König Black Bolt gegen Thanos auf die Erde losgelassen. Dieser Nebel sorgt für einen raschen Populationsanwachs der Inhumans und bedroht die Welt der Mutanten, da diese bei Kontakt krank werden. So viel erst einmal zur Vorgeschichte. Nun etwas zum Charakter (sorry das mag für Unbeteiligte etwas viel Comic BlaBla sein, doch es wird wirklich noch interessanter).
Kamala Khan ist eine Muslima. Sie ist jedoch in der westlichen Welt aufgewachsen und sehr zum Leidwesen ihrer Familie hält sie nicht viel von den Traditionen ihrer pakistanischen Vorfahren. Sie liebt Videospiele und in der Kirche fällt sie eher durch das neugierige Fragen als durch blindes befolgen von Regeln auf. Eines Tages wiedersetzt sie sich ihrem Vater und schleicht sich nachts auf eine Party. Sie bemerkt, dass das einfach nichts für sie ist und auf dem Rückweg wird sie auf einen merkwürdigen Nebel aufmerksam und als sie diesen betritt setzt sofort eine Verwandlung an und sie wird ohnmächtig. Als sie wieder zu sich kommt bemerkt sie einen merkwürdigen Kokon um sich und merkt auch recht schnell, dass sie auch übermenschliche Kräfte entwickelt hat. Sie kann ihren Körper wachsen und schrumpfen lassen und auch das sie ihre Gliedmaßen, nicht proportional zum Körper, schrumpfen und wachsen lassen kann (z.B. längere Beine = schnelleres Rennen oder größere Fäuste = härteres Zuhauen simpel ausgedrückt). Dazu kommt noch ein gesteigerter Heilungsprozess und ihr Traum ist zum Greifen nah: Superheldin sein und sich einen Namen machen. Die Regeln ihrer Familie führen dazu, dass sich Kamala abnorm fühlt und sie denkt sie wäre für ihre Mitmenschen und Mitschüler unsichtbar. Als riesen Fan von Carol Danvers, die momentane Captain Marvel und ehemalige Ms. Marvel, nimmt sie den Namen Ms. Marvel an und wird eine Superheldin, die es zwischenzeitlich auch in die Ränge der Avengers schafft.
So viel erst einmal zur Geschichte des Charakters. Hier lässt sich zwar noch viel mehr berichten und entdecken doch dies soll ja auch eher ein Anreiz für euch sein, den Charakter selbst zu entdecken und die dazugehörigen Comics zu lesen. Denn eines ist klar: Marvel hat momentan nichts besseres auf Lager. Doch was machen die Comics um Ms. Marvel so besonders?

Eigentlich ist Ms. Marvel kein neuer Charakter. Kamala ist bereits die vierte Inkarnation der Rolle und tritt damit in bedeutende Fußstapfen. Sie wurde von Sana Amanat, G. Willow Wilson und Adrian Alphone erfunden und die Comic Reihe ist zum ersten Mal im Februar 2016 in Amerika erschienen. Kamala ist damit die erste muslimische Figur, die die Hauptfigur einer Comic-Reihe bei Marvel übernimmt. Die erste Paperback Ausgabe (sammelt die Comic Hefte einer abgeschlossenen Comic Story) hat im Jahr 2015 den Hugo Award für den Preis „Best Graphic Story“ gewonnen und wurde auch für den renommierten Eisner Award nominiert. Man könnte also sagen die Serie ist bei den Kritikern gut angekommen und der erste Paperback war auch das meistverkaufte Comicbuch im Monat Oktober 2014 und das passierte auch absolut zu Recht.
Die Figur hatte auch einen größeren kulturellen Einfluss als zuerst gedacht. Im Januar 2015 wurden Bilder von Kamala dafür genutzt Anti-Islam Werbungen zu überdecken. Im März 2016 hat Sana Amanat den US. Präsidenten bei einer Veranstaltung des „Women’s History Month“ vorgestellt woraufhin dieser die Figur Ms. Marvel und dessen Autorin ausdrücklich gelobt hat. Schnell wurde Kamala also für eine Figur die für die Diversität der Comic-Welt steht.
Mein bisheriges Alleinstellungsmerkmal für die Figur war: Sie ist muslimisch. Das ist sie auch und das macht sie in der aktuellen Comic Welt auch zu etwas besonderem, doch ihr Charakter ist jedoch auch viel mehr. Ihre Einführung ist eine typische Comic Origin Story doch durch ihre Herkunft und Religion bekommt die Geschichte um Ms. Marvel einen interessanten Twist. Das Besondere ist da doch das dies ohne nervige Klischees geschieht. Man merkt einfach, dass die Autorin reale Erlebnisse ihres Lebens mit der Figur verarbeitet. So bleibt die Geschichte immer noch eine typische Superhelden Geschichte mit irrsinnig viel Humor und Herz. Kamala ist ein wunderbarer Charakter, in die der Leser sich auch wunderbar reinversetzen kann, was hauptsächlich an ihrer „Nerdigkeit“ und ihrer Obsession mit Superhelden liegt. Ihr „Fangirling“ beim Zusammentreffen mit Captain Marvel, Wolverine oder den Avengers ist einfach Zucker und gehört zu den absoluten Highlights der Comics.
In den Comic werden jedoch auch die typischen Superhelden Themen eingebaut. Wie geht man mit einem Doppelleben um? Kann man es sich erlauben ein Privatleben zu haben? Wie steht es mit Freizeit, wenn jederzeit jemand sterben kann wenn man nicht bereit ist? Das Ganze bekommt aber eben doch den Twist durch ihre Religion und ihre Familie. Die Familie ist vielleicht strenger als bei anderen und ihr Wunsch nach Freiheit schießt regelmäßig über das Ziel hinaus. Sie dürfte sowieso nur einen von ihren Eltern akzeptierten und religiösen Freund haben, wie soll sie dann ihre Gefühle für ihren amerikanischen besten Freund handhaben, wenn sie auch aufgrund ihres Superhelden Lebens jeden um sich herum in Gefahr bringt? Die Themen sind wundervoll in die eigentlichen Superhelden Geschichten verarbeitet.

Was passiert mit Heldinnen in einem Medium, das lange Zeit von jugendlichen männlichen Lesern dominiert wurde? Sie werden übersexualisiert bis zum geht nicht mehr und auch wenn Marvel da auch heute noch hin und wieder mal danebenhaut (zum Beispiel bei Riri Williams für Leute die sich mit Marvel Comics etwas auskennen) ist es schön das es auch Charaktere wie Kamala gibt. Ihr Superhelden Outfit besteht aus traditionellen Kleidungsstücken ihrer Herkunft und ihrer Religion. Sie ist klar erkennbar weiblich und verkommt nicht zur einfachen übersexualisierten Person. Die Mischung ist hier genau richtig und der Look passt perfekt zu der Figur. Sie ist eben eine moderne westliche Muslima, die nicht vollverschleiert durchs Leben geht und dennoch ihre Kultur ehrt. Wie auch in der Charakterzeichnung ist die Charakterdarstellung hier also perfekt zugeschnitten.
In meinem Blog würden jetzt reumeiers letzte Worte kommen in denen ich abschließend ein kleines Fazit ziehe, doch dies ist nicht mein Blog und ich leite meine abschließenden Worte einfach mit diesem dummen Satz ein. Ich hoffe einfach mal ich konnte euch mit meiner Begeisterung für diesen Ausnahmecharakter etwas anstecken. Ich habe mich nicht einmal darüber ausgelassen, dass der Comic auch optisch zu den beeindruckendsten Comics momentan zählt. Jeder sollte einmal bei Ms. Marvel reingelesen haben und lasst euch auch nicht von meinem Comic-BlaBla in der Einleitung abschrecken, denn eigentlich benötigt man dieses Vorwissen nicht unbedingt um die Comics zu genießen. Ich bin selbst ein riesen Comic Nerd und empfehle Ms. Marvel bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Wer sich einmal näher mit dem Thema Comic befassen möchte und der dabei nicht auf Indie-Verlage wie zum Beispiel Image Comics beschränken möchte, bekommt mit Ms. Marvel nicht nur einen typisch untypischen Superhelden-, sondern eben auch einen verdammt guten Comic, der den aktuellen Rest der Superhelden Geschichten in die Tasche steckt. Außer vielleicht Hulk aber dazu vielleicht mehr in einem zukünftigen Gastbeitrag.

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