The Inner World 2 – Flötennasen und Gesellschaftskritik

Conroy ist gefallen, doch Emil – ein Kramwarenhändler – übernahm seine Arbeit und versetzt seither die Innere Welt in Angst und Schrecken vor den Windgöttern und den Flötennasen. Diese sollen nämlich die gefährlichen Windgötter, die Basylen, beschwören können, die jeden, der sich nicht an die Regeln hält, in Stein verwandeln. All das ist jedoch nicht ganz richtig. Die Basylen waren ein populistisches Mittel Conroys um für Angst und Schrecken zu sorgen. Seit Jahren verstecken sich die Flötennasen in den Wäldern Asposiens, die mit ihrer Musik dafür sorgen, dass die Innere Welt mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Doch genau diese Flötennasen werden von Emil verfolgt und ausgerottet. Motiv? Rache. Aber es gibt Hoffnung. Robert, der rechtmäßige König Asposiens, ebenfalls eine Flötennase, löst sich nach drei Jahren aus seiner Versteinerung. Gemeinsam mit seiner Freundin Laura und ihrer Taube Hack macht er sich nun schon zum zweiten Mal auf den Weg um die Welt, Asposien und die Flötennasen zu retten. Auf der Suche nach dem letzten Windmönch treffen die drei Chaoten nun auf Schweinsfliegen, Schrofs und Wollmausfabriken, auf Seilbahnzugführer, ViehViehs und ungeahnte Gefahren.

The Inner World spielte schon im ersten Teil erschreckend mit dem Modell „Diktatur“ und brachte den Spieler nicht nur ein Mal zum Grübeln. Im zweiten Teil sollte das nun noch dominanter fortgeführt werden. Denn nun wehen schwarz, weiß, rote Fahnen, einer pöbelt laut, verlangt die Andersartigen zu verfolgen und umzubringen – die Parallelen zum Nationalsozialismus sind unverkennlich. Die scharfe Gesellschaftskritik fühlt sich verdammt gerechtfertigt an. Denn auch die Asposer wollten nicht so richtig aus ihrer Vergangenheit lernen. Wie wirkungsvoll richtig geführte Propaganda sein kann, zeigt The Inner World 2 nun erneut. Wobei man sich die Frage stellen muss, wie wichtig es ist, dass Spiele auch diesen Weg gehen und eben diese Themen ansprechen. Die Antwort ist einfach: Unfassbar wichtig. Denn während man in Wolfenstein die Nazis niedermetzelt, steht man in The Inner World auf der anderen Seite und wird gejagt. Gejagt für das, was man ist: Anders. Gänsehaut und belastende Momente inklusive.


The Inner World 2Doch The Inner World kann nicht nur intensiv, geschichtsgewaltig und belastend, es kann auch romantisch, herzlich und vor allen Dingen humorvoll. Robert, der Hauptcharakter, ist ein liebenswürdiger Aufdemschlauchsteher. Tollpatschig, aber ein herzensguter Mensch. Laura ist schlagfertig, dominant und manchmal etwas zu cool. Besonders die Beziehung der beiden Charaktere ist erwähnenswert. Eine weitere Form der Gesellschaftskritik äußert Studio Fizbin mit der Charakterdarstellung von Laura. Denn ihre oben genannten Eigenschaften sind recht ungewöhnlich für ein Mädchen. Meist “schickt es sich nicht”, sich so zu verhalten. Es spricht sogar gegen alle Klischees. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter: Manche Rätsel lassen sich nur als Laura lösen, weil sie schlichtweg stärker als Robert ist. Das bringt frischen Wind in abgetretene, klischeeversaute Geschlechterrollen, weshalb The Inner World auch für junge Spieler eine geeignete Geschichte bietet.

Neben den vielfältigen Charakteren bietet The Inner World einen unfassbar schönen Stil, der seinesgleichen sucht. Denn alles wirkt recht minimalistisch, einfach – ist am Anfang sogar recht gewöhnungsbedürftig. Die Synchronisation und die Dialoge sind kleine Meisterwerke und großartig gewählt. Es scheint einfach alles zusammenzupassen.

 

The Inner World 2Ein paar kleine Macken bleiben jedoch nicht aus. Die Konsolenfassung fühlt sich unrund an. Der Start in das Point and Click ist holprig, weil die Steuerung doch recht eigenartig ist. Anstatt eines freien Cursors, hat man Hotspots, die man durchschaltet um mit ihnen zu interagieren. Daran gewöhnt man sich zwar schnell, doch es nimmt dem Spiel einen für Point and Clicks eminenten Faktor: das freie Entdecken. Wenn man ein Item übersieht, hat man halt Pech gehabt – das gibt es hier nicht. Deshalb habe ich bei Studio Fizbin nachgefragt, warum sie sich für diese Art der Steuerung entschieden haben: „Wir waren uns schnell einig, dass wir den Vorteil eines Controllers nutzen wollen, was eine direkte Controller-Steuerung ermöglicht. Es ist ein unserer Meinung nach sehr tolles Gefühl, „selbst“ Robert und Laura spielen zu können. Einen virtuellen Mauszeiger auf Konsolen finden wir sehr doof. Das macht das Spiel träge und auch ungenau, kann man nun mal einen Mauszeiger viel schlechter mit Controller steuern als mit der Maus.“Auch zu der Frage, weshalb die Hotspots anfangs recht eigenartig springen, hatte Tobias von Studio Fizbin eine spannende Antwort: „Dazu kommt dann noch, dass Hotspots übereinander oder sogar „hintereinander im Bild“ liegen können, auf der Z-Achse. Bei 2D-Spielen gibt es ja aber an sich keinen Raum. Damit war eine simple „Uhrzeit-Rotation“ auch nicht technisch möglich, da es eben keine Urzeit-Anordnung der Hotspots gibt, sondern eben übereinander, „hintereinander“ usw. Deshalb leiten wir dann durch eine technisch-logische Abfolge.“ Das führt letztendlich dazu, dass sich selbst das Hotspot-Triggern nach einiger Zeit intuitiv anfühlt. Point and Clicks werden auf Konsole immer genießbarer und es ist beruhigend zu wissen, dass auch kleine Entwicklerstudios stets bemüht sind das Beste aus ihren Spielen und der Performance rauszuholen.

Fortschritte von Teil 1 zu Teil 2 sind deutlich erkennbar. Die Animationen scheinen runder zu laufen, die Flötennase wird häufiger eingesetzt und es gibt mehr knackige Rätsel. Die kleinen, stetigen Wandlungen wecken Vorfreude auf weitere Teile und bringen Liebhaber wie mich dazu, das Spiel noch ein klein wenig mehr zu genießen, als ich es eh schon tue.

Fazit:

The Inner World ist ein starkes, gesellschaftskritisches Werk, das schon viel zu lange unter dem Radar geflogen ist. Mit der starken Fortsetzung beweist das deutsche Entwicklerstudio Beständigkeit und Qualität, die in Zukunft hoffentlich zu vielen weiteren Point and Click-Abenteuern führen wird. Ein charmanter, herzlicher Stil trifft auf tolle Dialoge, starke, vielfältige Charaktere, verpackt in eine schöne Story und eine atemberaubende Welt.

 

Danke an Headup Games für den Reviewcode.

Erscheint am: 20. Oktober 2017
USK: 6
Publisher: Headup Games, Kalypso Media Digital
Entwickler: Studio Fizbin
Konsole: PS4 (gespielte Konsole), PC, Xbox One
Kaufen: Amazon*,  Steam,

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