Die Stadt der träumenden Bücher – Walter Moers – eine unmögliche Reise

Können Bücher wirklich träumen? Bücher können alles ? Sogar töten!
Der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz erbt ein makelloses Manuskript, dessen Geheimnis er ergründen möchte. Die Spur weist nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher … Walter Moers entführt uns in das Zauberreich der Literatur, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Nur wer bereit ist, derartige Risiken in Kauf zu nehmen, möge dem Autor folgen. Allen anderen wünschen wir ein gesundes, aber todlangweiliges Leben!

Ich muss vielleicht im  Voraus sagen, dass ich dieses Buch unzählige Male in der Hand gehalten habe. Sowohl vor vielen Jahren in der Bücherrei, als auch unglaublich oft in der Buchhandlung meines Vertrauens. Jedes mal dachte ich mir „Hm, ob da so viel Geschichte drinsteckt?“.
Vielleicht lag es daran, dass das Coverdesign ein wenig veraltet scheint, man kann ja schließlich nicht hinter den Buchdeckel blicken. Im Nachhinein war es jedoch die beste Entscheidung es damals einfach nicht mitzunehmen, denn selten war ein Moment so perfekt um dieses Buch zu lesen, wie jetzt.

In einer kleinen Buchhhandlung in Düsseldorf habe ich nun also „Die Stadt der träumenden Bücher“ mitgenommen. Ganze 10 Jahre nach Veröffentlichung. Vor zwei Wochen öffnete ich nun also das Buch, ohne dabei zu wissen, dass ich wahrscheinlich nie wieder Bücher auf die gleiche Weise lesen würde.

Mit Hildegunst von Mythenmetz machen wir uns auf den Weg nach Bücherhaim, wo er ein Manuskript unzähligen Menschen vorstellt, um herauszufinden, wer der Autor dieses Manuskript ist. Doch Bücherhaim unterscheidet sich überraschend stark von der guten alten Lindwurmfeste und Hildegunst wirst quasi überspült von Eindrücken und neuen Erfahrungen.
Schon hier gelingt es Moers die wahrscheinlich schönsten Gefühle auszuschreiben, die Bücher bei einem Menschen auslösen können. Sei es Wut, Hass, Tränen, Liebe oder Angst. Bücherhaim besteht aus Verlagen, Antequariaten, obdachlosen Künstlern und ganz vielen mehr und minder talentierten Autoren. Angesiedelt in Zamonien, einer riesigen Welt, die so ziemlich alles besitzt, was das Fantasie-Herz begehrt. Mythenmetz strotz nur so vor Naivität und lässt sich auf die wahrscheinlich schlechtesten Kontakte ein, die man in ganz Bücherhaim finden kann. In schlechte Beziehungen verwickelt landet her nun in den Katakomben unter der Stadt und dort beginnt die wahrscheinlich aufregendeste Reise im Leben des noch recht jungen Lindwurms.

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Dem Schreibstil merkt man an, dass Moers sein Handwerk beherrscht. Wenige Autoren haben eine solche Wortvielfalt und Wortgewalt wie er. Während andere Autoren sich mit repetetiven Superlativen begnügen, schafft Moers es eine Abwechslung zu schaffen, die einfach nur Spaß macht.

Eine Variation von Monstern, Fantasiewesen und Ideen schafft eine geniale Welt, in der man sich schnell mal mehrere Stunden verlieren kann. Hildegunst‘ Reise durch das Labyrinth ist eine Achterbahnfahrt von Gefahren, Ängsten und Bedrohungen, die seinesgleichen sucht. Ideen, die ich so noch nicht gelesen habe, umgesetzt auf eine Art und Weise, die für die nächsten Jahre meine Art und Weise Fantasiereisen zu lesen bestimmen wird.
Die Illustrationen unterstützen die herzliche Darstellung, die dieses Buch so besonders macht. Moers hat seine eigenes Buch geschaffen und dazu alle Stilmittel genutzt, die ihm zur Verfügung standen. Und verdammt, es ist toll geworden.

Die Liebe zu Büchern wird hier so geschildert, dass das Herz eines jeden Bücherliebhabers aufleuchten wird. Doch auch der Respekt und die Angst vor Büchern wird manifestiert, denn Bücher sind, ähnlich wie Menschen, nicht immer das was sie scheinen.

Fazit:

10 von 10 Sternen

Ein Buch, das seinesgleichen sucht und mit einer Wortgewalt und einer Fantasie auffährt, die dem Leser den Atem raubt, das Schließen des Buches unmöglich macht und genau das Gefühl ausdrückt, welches Bücher in einem Menschen, einer Echse oder in einem Lindwurm auslösen können. Großartig.

Erschienen am: 01. April 2006
Seiten: 480
Format: Taschenbuch
Autor:
Walter Moers
Preis: 12,99€
Kaufen: KLICK oder in eurer örtlichen Buchhandlung!

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3 Kommentare

  1. Hallo Caro,
    tolle Rezension. Das Buch steht hier schon ewig im Regal, ich sollte es jetzt wirklich mal lesen. „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ hat mir auch schon gut gefallen, daher wird dieses Buch mir bestimmt auch gefallen. Kleiner Hinweis: Dein Link zum Buch führt auf die Panini-Seite von Assassin’s Creed?
    Liebe Grüße
    Thomas

  2. Wirklich eine schöne Review 🙂

    Ich habe mich auch sehr lange davor gedrückt dieses Buch zu lesen. Das liegt primär daran, dass ich Walter Moers immer nur mit dem kleinen Arschloch in Verbindung gebracht habe und davon gar kein Fan bin. Dementsprechend war meine Erwartungshaltung relativ gering.
    Um so überraschter war ich wie gut mir die Geschichte am Ende gefallen hat. Vor allen Dingen liebe ich auch einfach die Welt, die Moers erschaffen hat. Da kann sich so einige Fantasyreihe gerne mal eine Scheibe von abschneiden.

    Wie der Kommentator vor mir kann ich dir auch wirklich nur „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ ans Herz legen. Dessen Abenteuer haben mir nämlich sogar noch besser gefallen. Nicht zu letzt durch viele noch kuriosere Figuren, die der Blaubär in seinen Leben trifft.

    Solltest du etwas für Hörbücher übrig haben, kann ich da auch das vom Blaubär empfehlen, welches von Dirk Bach gelesen wird. Der trifft die Figur einfach so gut und verleiht ihr zusätzlich so viel Witz. Ich liebe die Geschichte einfach sowohl als Buch als auch vorgelesen 🙂

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