Hingehört: Wie Stille klingt

Nie habe ich gedacht, dass Stille einen Klang haben kann.
Wie hört sich Stille überhaupt an? Und ist Stille mit Ruhe gleichzusetzen?
Das Geräusch von Fingern, die über die schweigenden Gitarrensaiten kratzen, das Geräusch von Fingern, die die Klaviertasten wechseln, oder das Geräusch von Plattenspielernadeln, die über Vinyl kratzen und über Staubkörner hüpfen. Sie Seite ist zu Ende, die Nadel kommt zum Stillstand. Ruhe.

Doch Musik kann genau diese Ruhe auslösen.
Fernab von Entspannungsmusik und Walgesängen gibt es Musiker, die das Gefühl der kratzenden Plattennadel vermitteln, oder dieses Rauschen einfach direkt in ihre Musik einbinden. Musiker, die mehr Ruhe in einem auslösen, als Ruhe und Stille selbst. Vor kurzem habe ich diese Art von Musik für mich entdeckt und erwische mich täglich dabei, wie ich die Stille mit diesen Musikern einfach nur genieße.

Nils Frahm geht all diesen voran und tut genau das, was ich unfassbar schätze.

Der Klang von Stille

Ruhige, entspannte Klänge, die sich alle Zeit lassen. Nicht hetzen, einfach da sind. Stundenlang könnte ich einfach da sitzen und lauschen. Aus dem Fenster schauen und dem Regen beim Fallen zuhören, während Nils auf seinem Klavier rumklimpert. „Felt“ ist mein Lieblingsalbum.
Seine Lieder erscheinen Geschichten zu erzählen, jemand steht auf, geht. Die Türe schließt sich und Schritte sind zu hören. Die Gedanken rennen, während die Klavieranschläge pulsieren.

Auch A Winged Victory For The Sullen bastelt Geräusche in ihre Musik. Seien es Radiostörwellen, Kratzen oder Schritte, zusammen mit Klavier und Streichern strahlen sie unfassbar viel Ruhe aus, von der sich ein mancher Filmmusiker noch mal eine Scheibe abschneiden kann.
„Atomos“ sollte sich jeder ein mal angehört haben. Besonders „IX“ ist wunderschön und versüßt mir die ein oder andere Stunde in der Badewanne.

Lambert ist Frahm, nur schneller und ohne „Störgeräusche“. Er fokusiert sich mehr aufs Klavier und zeigt wie schön und melancholisch Klaviermusik fernab von Mozart und Beethoven doch sein kann.
So stelle ich mir Autofahrten vor, durch den Regen oder in der Abendsonne. Lambert laut an und einfach aus dem Fenster schauen und der Welt beim Vorbeifliegen zuschauen.

Musik kann man zuhören, Musik kann aber auch einfach nebenbeilaufen. Ich bin ein großer Fan von Musik hören während dem Lesen. Die drei Künstler sind dafür wie gemacht und jeder der nach mehr Ruhe im Alltag sucht, sollte sich die mal genauer anschauen.
Spotify macht es einem auch sehr leicht. Das Durchklicken durch Künstler klappt fast von alleine und ehe man sich versieht sitzt man stundenlang vorm PC und klickt sich durch die weiten Welten der Ruhe in Musikform.

4 Comments

  1. Oh, wie schön!
    Stille zum Anhören. Besonders Nils Frahm hat es mir spontan angetan. Da schreib ich dann morgen mein Kapitel zu. Und wer weiß, vielleicht plotte ich dazu auch meinen nächsten Roman. Das hat genau die stille Schönheit, die ich auch meinen Worten verleihen mag. Danke fürs Zeigen!

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