The Last Guardian – Mein Vogel-Katzen-Öhrchen-Dings und ich

The Last GuardianAls wir in einer modrigen, nassen Höhle aufwachen, wissen wir nicht was passiert ist. Überall auf unserem Körper sind Male, eine Art Tattoos. Wir sind jung, vielleicht 8, vielleicht auch 9. Als wir uns genauer umschauen, entdecken wir direkt neben uns ein riesiges Monster. Einen Trico. Ein menschenfressendes Monster. Er ist eine Mischung aus Vogel, Katze, ein bisschen Hund und sehr viel Anteil Ohren.
Nach den ersten Startschwierigkeiten schaffen wir es Trico von seinen Fesseln zu befreien, die Speere aus seinem fedrigen Körper zu ziehen und dann stellen wir das Unmögliche fest – Trico greift uns nicht an, er will uns nicht fressen. Nach dem minimalistischen Tutorial, beginnt eine Reise. Eine Reise, die uns gemeinsam auf die Probe stellen wird, denn The Last Guardian wird emotional, actionreich und ganz besonders.

Mit Händen und Füßen

Wie sagt man einem Tier, das dich absolut nicht versteht, was man von ihm will? Genau, man springt wild auf der Stelle und ruft nach ihm. 5000 Mal ungefähr. Gemeinsam schaffen wir die ersten Hindernisse, kämpfen uns durch die ersten kaputten Tempel und haben immer noch keine Ahnung wer wir sind, wieso Trico bei uns ist und wo wir eigentlich hin wollen. Die einzigen Hinweise sind Tricos Starren und Heulen in die Ferne, denn unser Öhrchen-Dings scheint melancholischer zu sein als wir, doch das steckt an. Denn eins ist sicher: irgendwo da draußen finden wir die Antwort auf als unsere Fragen.

Von Abschnitt zu Abschnitt lernen wir unseren Federfreund besser kennen, bekommen ein Gefühl für einander und helfen uns. Ein Vorsprung ist zu weit oben? Kein Problem, Trico ist zur Stelle. Mit blau glänzenden Fässern halten wir das Katzenartige Tier bei Laune und bringen es dazu Kunststücke zu vollführen – zumindest bilden wir uns das ein. Später hört er sogar auf Kommandos und ohne diese funktioniert gar nichts mehr.
The Last GuardianDie Rätsel sind manchmal recht knackig, was nicht nur der fehlenden Questline zu schulden ist, doch das ist großartig. Wann stand man das letzte Mal in einem Tempel, einem Dungeon oder auf einer Map und hatte keinen Plan wo und wie man überhaupt hin soll? Diese Planlosigkeit bringt eine unglaubliche Ruhe mit sich und grade Adventure-Gamer sollten hier aufblühen. Eine gähnende Leere, grade in den Anfangs-Stunden, füllt die Tempel und bringt eine Romantik und Melancholie mit sich, die bisher nur Spiele wie Journey auslösen konnten. Man kann die Tempel fast sprechen hören. Die Ruinen erzählen Geschichten, die wir schlichtweg einfach nicht zu verstehen scheinen.

I’ve got your back, buddy

Nach wenigen Stunden besteht eine Bindung zu Trico, die so intensiv ist, wie bei keinem anderen programmierten Tier zuvor. Wir beschützen ihn, halten ihm den Rücken frei, überwinden Stock und Stein und kraueln ihn hinter den Ohren, was das Zeug hält. Auch von den Rüstungen, die im Laufe des Spiels erscheinen, lassen wir uns nicht verrückt – oh Moment, streicht das. Die absolute, vorher so geliebte Ruhe wird gestört. Wehrlos stehen wir den braun, blauen Ritter-Dingern gegenüber und eine andere Wahl als rennen, haben wir nicht. Es soll die Hilflosigkeit des Jungens darstellen, denn diesmal sind wir nicht der Held. Wir sind ein kleiner mickriger Junge, mehr nicht. Dazu kommt die nicht wirklich intuitive Steuerrung, die hackelig und irgendwie mehr 2008 als 2016 ist. Das Stilmittel ist ganz nett und mag manchem Spieler gefallen, packt aber unnötigen Stress in die eigentlich so ruhige Spielwelt. Darüber ob der Stress nötig ist, kann man sich streiten. Mich persönlich hat es unglaublich gestört und aus dem Spielerlebnis gerissen. Eine komplett leere Welt, tausend Fragen, die bis zum Ende ungelöst sind und das einzige Hindernis ist die Höhe selbst. Das hätte mir deutlich besser gefallen.
Höhe ist ein ganz gutes Stichwort. Die Physik scheint manchmal auszusetzen. Mal balancieren wir hunderte Meter über dem Boden nur über ein dünnel Seil oder kraxeln auf schmalen Steinvorsätzen an einer Turmwand entlang. In diesen Momenten scheint das Kind in einem getriggert zu sein. Überall raufklettern, den höchsten Punkt erreichen um zu schauen was dort auf uns wartet.

The Last GuardianZu dem persönlichen Rüstungsproblem kam die katastrophale Kamera und das Character Movement. Das Klettern mit dem Jungen ist störrisch, tollpatschig und wuselig. Ob das zum Charakter gehört oder einfach nur eine schlechte Programmierung ist – wer weiß. Doch die Bewegungen der Klamotten des Jungens und von Trico selbst sind fantastisch. Man hätte Trico mit einer echten Katze austauschen können und niemand hätte etwas bemerkt. Nun, hätte man ihr Flügel angeklebt.
Ein großes Problem sind jedoch die Framedrops in den Cutscenes. Sobald die Kamera aus einem kleinen Tempelgebiet rauszoomed, wird das Bild ruckelig. Auch, wenn das Spiel unzählige Jahre in Entwicklung war, muss man sich die Frage stellen, ob das im Jahr 2016 noch angemessen ist.

Fazit – „The Last Guardian“:

Eine emotionale Reise, die genau wie unser Stolpern durch die Tempel Höhen und Tiefen hat und herzzerreißender kaum sein könnte. Wer Frust tolerant genug für die Rüstungen ist, und eine Geschichte erleben möchte, die einen den Atem anhalten lässt, sollte sich das Spiel auf jeden Fall genauer anschauen. The Last Guardian hat Fehler, das steht nicht zur Debatte, aber alleine die Geschichte und Trico lassen uns diese recht schnell vergessen und gemeinsam steht man dort an auf den Trümmern eingefallener Tempel und setzt zum Sprung an, der hoffentlich zu den Orten in der Ferne führt, die im Bauch dieses seltsame, Heimweh artige Gefühl auslösen.

Danke an Sony für den Promo Key!

Erscheint am: 7. Dezember 2016
USK: 12
Publisher: Sony
Konsole: PS4
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Screenshots stammen von mir.

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