Destiny 2 – We accept the game we think we deserve

Destiny 2 ist ein Spiegelbild von Destiny 1. Trotzdem funktioniert es überraschend gut, denn wir akzeptieren Spiele eher, wenn wir das Franchise mögen. Werden schnell blind für Fehler und äußern diese nicht. Akzeptieren diese als Kinderkrankheit. Ist es okay Spiele trotz ihrer immensen Fehler zu mögen, zu kaufen und zu konsumieren?

27 Freunde sind in meiner Freundesliste online. Davon spielen 26 Destiny 2. Es ist der 6. September 2017. Destiny 2 ist heute rausgekommen und alle sind im Hypemodus. Zu Recht. Destiny war ein fantastisches Spiel. Doch es hatte Fehler. Viele Fehler, die Activision und Bungie ausbügeln mussten. Dementsprechend groß war der Anspruch an Destiny 2, welches direkt im Ankündigungsjahr noch an den Start ging. Drei Jahre hat sich Destiny in der Pipeline gehalten. Vier DLCs später, war das Game fast perfekt. Es bot viel Story, viel Lore, ein großartiges Endgame, welches man in dieser Form vergeblich bei anderen Spielen sucht. Außerdem gab es immer was zu tun und eine atemberaubende Welt. Kurz: Destiny war ein gutes Spiel. Leider war es das aber erst nach drei Jahren. Und plötzlich steht da, recht überraschend, der Nachfolger im Raum. Müssen wir nun das gleiche “Vanilla-Problem” wie bei Destiny  durchmachen? Hat Bungie aus seinen Fehlern gelernt?

Destiny 2

Der Turm ist gefallen. Die Kabale haben den Reisenden gekapert und wollen seine Kraft nutzen, das Licht der Hüter ist erloschen. Viel gestellte Emotionen á la “Wir müssen gemeinsam kämpfen, auch, wenn wir auf dem Weg einige verlieren werden!”. Wem machen wir etwas vor, niemand interessiert sich für die Story in Destiny. Denn Bungie kann viel, eine gute Story schreiben gehört jedoch nicht dazu. Einen kleinen Haufen Strikes gab es im neuen Destiny nun auch dazu. Außerdem neue Drop- und Shadersysteme (Skins, Mods und Co.). Die Dämmerungen sind schön frisch kniffelig und der Raid ist richtig schön. Eine wirklich nette Neuerung ist die Tatsache, dass das über Planeten hüpfen nun wirklich etwas bringt. Durch die öffentlichen Events kämpfen wir gemeinsam mit Hütern in unserer Nähe um Loot, anstatt, wie in Destiny , belanglos aneinander vorbei zu laufen. Mit Open World hatte das nichts zu tun. Doch auch in Destiny 2 wurde das Open World-Kriterium schlichtweg nicht erfüllt. Es gibt wieder Schauplätze und man kann von Ort zu Ort laufen, doch man merkt, dass diese nur aneinandergereiht wurden. Sprich, von A nach B führt nur ein Weg. Ein klarer eingezeichneter Weg, außen herum laufen kann ich nicht. Open World ist das nicht. Das Gunplay ist wie erwartet großartig und nie hat sich ein Shooter besser angefühlt. Dass diesbezüglich noch ein Fortschritt von Destiny zu Destiny 2 möglich war, habe ich selber nicht geglaubt, wurde aber eines Besseren belehrt. Auch die Grafik zeigt sich in ihrem besten Gewand und raubt dem Spieler nicht nur einmal den Atem. Denn das, was Bungie da zaubert, gibt es in keinem anderen Spiel. Statt über den Mars, hüpfen wir über Io (sehr hässlich), über Nessus (sehr schön), über den Titan (sehr langweilig) und durch die ETZ (sehr kosmodromig), die europäische Todeszone. Wie? Was sagt ihr da? Klingt doch alles ganz nett? Ja, tut es. Außer man hat Destiny 1 gespielt, dann kommt einem das alles gefährlich bekannt vor.

Destiny 2

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Destiny 2 ist praktisch Destiny. Auch, wenn die Änderungen doch recht groß klingen, fühlt man sich erschreckend schnell zuhause. Sollte ich mich in einem neuen Spiel direkt zuhause fühlen? Schon beim Spielen der Beta hatte ich Zweifel, ob ich wirklich ein neues Spiel in der Hand halte, oder den 218493. DLC für Destiny. Alles fühlt sich vertraut an, selbst das Movement ist eins zu eins das Gleiche. Bis auf eine weitere Super wurden nicht mal die Klassen verändert. Im Skilltree gibt es ein paar neue Kleinigkeiten und meine Belohnungen hole ich mir nun mit Token anstatt mit Ruf, obwohl die Token wiederum Ruf geben – es ist kompliziert.
Steven Chbosky hat in seinem Buch „The Perks of being a Wallflower“ ein sehr schönes Zitat geprägt: „We accept the love we think we deserve“. Man ersetze „love“ mit „game“ und man erhält den wunderschönen Satz „We accept the game we think we deserve“. Und genau dieser Satz hat mich in den letzten Wochen sehr häufig zum Grübeln gebracht. Ich habe meine Ansprüche hinterfragt und mit jeder Stunde, die ich mehr in Destiny 2 verbracht habe (und es waren einige), habe ich gemerkt, dass der Satz wahr ist.

Am Anfang habe ich mich gefreut. Alles neu. Glänzend und doch so vertraut, hach, Destiny. Meine flauschige Wolke 7 löste sich aber immer mehr auf. Spätestens, als ich anfing die schlechte deutsche Synchronisation zu akzeptieren, merkte ich, wie meine Ansprüche immer weiter fielen. “Wie, in der Ecke dahin ist gar nichts? Eigentlich hab ich das auch gar nicht erwartet, ist halt Destiny. Oh, nur eine neue Super? War bestimmt zu schwer umzusetzen, passt schon. Schlechte Story? Ist schon okay, kann Bungie halt nicht. Ist halt Destiny. Es macht Spaß, hat aber seine Fehler. Ist halt Destiny.” Anstatt offen zu kritisieren, akzeptierte ich. Jede Stunde ein bisschen mehr, denn es macht halt Spaß. Es ist halt Destiny.

Destiny 2

We accept the game we think we deserve

Ich habe keine Wunder erwartet. Doch ich habe Fortschritt erwartet. Den hat Destiny 2 aber einfach nicht. Nicht mal große Themen, wie das Matchmaking-Problem, wurden gefixed. Auch die Story wirkt erneut halbherzig, kein Unterschied zum ersten Teil. Und warum machen sie das? Weil sie es können. Weil wir es akzeptieren. Weil es leider verdammt Spaß macht. Immer öfter dachte ich mir, dass meine Anforderungen vielleicht einfach zu hoch sind. Und meine Ansprüche Grenzen überschreiten. Immer häufiger fragte ich mich, ob das Problem bei mir liegt. Destiny ist ein sehr spezifisches Game, was vielen Gamern einfach nicht passt. Man muss recht viel tolerieren um genießen zu können. Für den einen funktioniert es, für den anderen nicht. Und gerade weil es für mich so unfassbar gut funktioniert, habe ich mir die Frage gestellt „Bin ich zu nachsichtig, weil ich das Franchise mag?“ und „Lasse ich dem Entwickler einiges durchgehen, weil sie halt dieses großartige Spiel machen?“. Und die Antwort lautet: Ja. Ja, das tue ich. Und auch wenn es mich wurmt, ist das okay.

Destiny 2

So perfekt

Jedes Game hat seine Macken, jedes Franchise seine Probleme. Viele Franchises beinhalten sogar schwarze Schafe, über die man nicht spricht. Auch Destiny hat solche Schwierigkeiten. Von Storywriting über fehlende Innovation bis hin zu Matchmaking-Problemen, die Liste ist lang, doch das Endgame (Strikes, Raid, grinden und co.), das Gunplay und dieses bestimmte „Destiny-Feeling“ retten es letztendlich. Am Ende des Tages sitze ich trotzdem hier, zweifle an einem Franchise, das ich wirklich gerne mag, weil ich mich nicht ernstgenommen und nicht richtig behandelt fühle. Ich sehe Developer an ihren Schreibtischen sitzen, die bei Layout, Menüs und Abläufen einfach „copy“ und „paste“ drücken. Ich sehe PRler mit den Chefs in Meetingräumen sitzen, grinsend, weil der Hype laut in den vier Wänden widerhallt. Höre von ihnen im Kopf Sätze wie „Die kaufen es doch eh.“ Ja, ich kaufe es doch eh. Denn noch reicht die Überzeugung, die Liebe und der Spaß für viele, glückliche Stunden im Orbit und auf fremden Planeten. 
Bungie und Activision wissen, wie sie mich bekommen. Seien es Skylines, sei es das Gefühl präzise zu töten, die Gänsehaut, als wir den Pyramidion-Strike das erste Mal gespielt haben, die vertrauten Vex-Gebilde. Destiny bleibt ein Zuhause und ich hoffe, dass dieses Gefühl nicht ausgenutzt wird. Noch überschattet der Ehrgeiz und die Laune am Aliens schnetzeln die großen Probleme des Konzepts “Destiny”. Fragt sich nur für wie lange.

 

Erscheint am: 6. September 2017
USK: 16
Publisher: Activision
Entwickler: Bungie
Konsole: PS4 (gespielte Konsole), PC, Xbox One
Kaufen: Amazon*PS-Store, XBox

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