The Vanishing of Ethan Carter – Ich sehe tote Menschen

Ethan Carter ist verschwunden. Wohin weiß niemand, doch das finden wir nun heraus. Denn wir sind der narrative Detektiv in dieser Geschichte. Wir werden Ethan finden. The Vanishing of Ethan Carter.

The Vanishing of Ethan Carter ist ein First Person Point’n Click Horror Adventure aus dem Hause „The Astronauts“. Aufgrund des PSN Summer Sales ist es in meinem Warenkorb gelandet. Jedoch nach Abschluss direkt wieder aus meiner Bibliothek gelöscht worden.

Ethan ist verschwunden und hat uns einen Brief hinterlassen. Wir müssen ihn nun finden. Wir wissen nicht wer wir sind, oder wo wir herkommen, aber wir haben Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten werden wir auf unserer Suche verwenden. Das tun wir, indem wir in dieser Welt herumstromern, die ein wenig kaputt und trotzdem wunderschön wirkt. Von kaputten Schienen, endlosen Wäldern, zerstörten Häusern, bis hin zu leeren Kirchen und Bruchbuden hat das Spiel einiges zu bieten. Für die Menge der The Vanishing of Ethan CarterRätsel ist die Welt jedoch viel zu groß. Es gibt das ein oder andere Easteregg, das mitten im Wald liegt, aber Hinweise und Tipps kann man zwischen den meterhohen Bäumen und Farnen leider vergeblich suchen.
Dadurch kommt man schnell vom Weg ab und langweilt sich eher, als gut entertaint von Ort zu Ort zu rennen. Ohne Hilfe von außen läuft man schnell an Geschehnissen vorbei und verpasst eminent wichtige Teile der Geschichte ohne es zu merken. Erst am Ende wird einem dann aufgezeigt, was man übersehen hat und versteht plötzlich, warum vieles bisher überhaupt gar keinen Sinn ergab.

In den jeweiligen Abschnitten des Spiels findet man Hinweise, mit denen man interagieren kann. Wenn man alle Hinweise gefunden hat, kann man mit Geistern den Tathergang ordnen. Nur durch das Ordnen erfährt man, was wirklich passiert ist. Dementsprechend schwierig ist es die Story zu verstehen, wenn man an einem Abschnitt unwissend vorbeirennt.

Das Prinzip des Spieles ist gut, und appelliert an den Entdeckungstrieb des Spielers, jedoch ist die Umsetzung einfach nicht gut gelungen. Die Story selbst ist schon recht komplex. Dadurch wird das Ordnen der Thathergangssequenzen zum Tippspiel.

Ein absoluter Abturner sind jedoch die Jumpscares. Warum momentan jedes Spiel auf das Gefühl setzen muss, dass jeden Moment etwas aus dem Wald springen könnte, verstehe ich absolut nicht. Diese Horrorelemente haben ihreThe Vanishing of Ethan Carter Daseinsberechtigung, keine Frage, jedoch wirken sie in einem Szenario wie diesem einfach deplatziert.
Spiele wie Life is Strange machen wundervoll vor, dass Dramatik und furchtbare zwischenmenschliche Geschichten auch in einer Welt Zuhause sein können, in der man sich wohlfühlt. Eine Welt, die man entdecken und nicht am liebsten so schnell wie möglich wieder verlassen möchte.
Das Spiel watet mit einer solchen Hingabe auf, dass die Jumpscares fast schon wie ein Notfallplan wirken. Deswegen sollten zartbesaitete gewarnt sein. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es vermutlich nicht gespielt.

Diese Aspekte schmerzen besonders dann, wenn man sich nach Abschluss in Foren und in die Intentionen der Entwickler einliest. Spiele wie diese sollten dazu einladen sich vollkommen in die Geschichte fallenzulassen. Sie sollten einen dazu bewegen einfach alles rausfinden zu wollen, jede Ecke abzusuchen und anschließend Stunden in Foren zu verbringen. Das schafft es jedoch leider nicht ganz.

Doch irgendwas zieht den Spieler trotzdem an. Man wird das Gefühl nicht los durch ein Gemälde zu laufen, die Synchronisation ist gut gelungen und auch die Rätsel sind knackig, aber nett gemacht. Ein paar Stunden mehr hätten der Story und den Charakteren nicht geschadet, zumal sie einfach alle wie Fliegen wegzusterben scheinen. Auch der Soundtrack ist recht schön, jedoch viel zu selten zu hören, was soundtrackaffine Menschen wie mich wirklich traurig macht.

Fazit – The Vanishing of Ethan Carter:

Alles in allem ist The Vanishing of Ethan Carter ein unfassbar emotionales, schön durchdachtes Spiel, das leider seiner eigenen Komplexität zum opfer fällt. Tolle Ideen, wie der Astronaut, die Sniper Rifle, die Rätsel und die schön schaurige Welt leiden unter billigen Jumpscares.  Am Ende fühlt man sich nicht fertig mit der Geschichte, sie wirkt einfach nicht abgeschlossen. Ein Tutorial hätte der Geschichte nicht geschadet. Außerdem NPCs oder The Vanishing of Ethan Carterwenigstens irgendwas, dass das Horrorfeeling durchbricht, wäre wirklich schön gewesen.
Eine Empfehlung für alle, die auf diesen latenten Hang zum Horrorgefühl stehen, aber leider ernüchternd für diejenigen, die eine schöne, ruhige und ausführliche Story erwarten.

Bei all der Kritik darf man jedoch nicht vergessen, dass es sich um einen Indie-Titel handelt. Titel wie dieser, Firewatch, Life is Strange oder Everybodys Gone To The Rapture ebnen die Wege für eine Zukunft. Eine Zukunft, in der in narrative Adventure Games hoffentlich genau so viel Zeit, Geld und Arbeit gesteckt wird, wie in das fünfzigste Call of Duty.

Erscheint am: 26. September 2014
USK: 16
Publisher: The Astronauts
Konsole: PC, Xbox One, PS4 (gespielte Konsole)
Kaufen: KLICK* (PS4 im Konsolenstore, Steam für PC und Mac)
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