Silo – Hugh Howey – „Ich will hier raus“

Drei Jahre nach dem mysteriösen Tod seiner Frau Allison setzt Sheriff Holston seiner Aufgabe ein Ende und entschließt sich, die strengste Regel zu brechen: Er will das Silo verlassen. Doch die Erdoberfläche ist hoch toxisch, ihr Betreten bedeutet den sicheren Tod. Holston nimmt das in Kauf, um endlich mit eigenen Augen zu sehen, was sich hinter der großen Luke befindet, die sie alle gefangen hält. Seine Entdeckung ist ebenso ungeheuerlich wie die Folgen, die sein Handeln nicht zuletzt für seine Nachfolgerin Juliette hat..

SiloEndzeit-Geschichten gibt es mittlerweile an jeder verdammten Ecke, doch wer hätte gedacht, dass Hugh Howey es schafft mit einem recht simplen Konzept die Messlatte für alle zukünftigen Endzeit-Romane höher zu legen?

Das Silo ist einfach. Mehrere hundert Stockwerke, Gesellschaftsschichten befinden sich in separierten Schichten, produzieren füreinander. Wie ein normales Land, nur in die Höhe gestapelt. Es gibt alles, nur keinen Himmel. Doch das interessiert Juliette nicht. Sie hat schließlich niemals den Himmel gesehen, außer durch die krisseligen Bildschirme in der Kantine. Doch die Geschichte ihres Vorgängers, Sheriff Holston, lässt sie diese Bildschirme plötzlich hinterfragen. Und aus dem Nichts kommt zum ersten Mal die Frage auf, die der Funken im trockenen Nest einer durchgerüttelten Gesellschaft sein kann – „Was ist wirklich da draußen?“.
Und wo es einen Funken und ein trockenes Nest gibt, ist ein Großbrand nicht weit.

Mit Juliette haben wir eine unfassbar starke und eindrucksvolle Protagonistin, mit der Howey zeigt, wie einfach es sein kann, nicht immer nur einen Mann in eine revolutionäre Rolle zu packen. Die anderen Charaktere werden recht kurz angeschnitten, bekommen trotzdem mit wenigen Worten und Zeilen einen starken, detaillierten Charakter, auch, wenn man lediglich nur die metaphorischen Umrandungen sieht.
Juliette und Lukas sind authentisch, realistisch und ehrlich. Sie haben Fehler, sie sind nicht perfekt und genau das macht sie zu so großartigen Charakteren.

Die Geschichte um das Silo ist weitgreifend, geschichtlich, emotional und umfangreich, wie es wenige andere Bücher sind. Hass, Zuneigung und Identifikation wachsen und gedeihen langsam im Laufe des Buches, weshalb die ersten 100-150 Seiten recht schleppend zu lesen sind. Die Perspektiven wechseln zu häufig und man hat nichts, woran man sich klammern kann. Wer ist gut, wer ist böse?
Lediglich die Tatsache, dass Juliette aus der ersten Person und alle anderen von einem Erzähler der dritten Person wiedergegeben werden, liest sich ein wenig holprig. Ein allwissender Erzähler wäre vermutlich die bessere Wahl gewesen. Doch Endzeit liest sich gut aus der ersten Person, das hat Suzanne Collins schon mit „Die Tribute von Panem“ bewiesen.

Howeys Schreibstil ist unglaublich. Er spielt mit den Worten, schafft einen Wortfluss, der einen an die Seiten fesselt, wie es ein gutes Buch eben tun sollte. Jedes Kapitel hat einen Cliffhanger, doch keinen Dan Brownschen, sondern einen, der da hingehört, der einen zwingt weiterzulesen, ohne Groll zu erschaffen.

Das Pacing der Geschichte ist großartig. Er konstruiert eine Welt, in die man in atemberaubender Geschwindigkeit hineinrutscht und aus der man nach Beenden des Buches nicht mehr hinauskommt. Ein Interesse für eine Geschichte zu erschaffen, die komplett fiktiv, aber trotzdem unglaublich umfangreich und ereignisreich ist, ist verdammt große Kunst und Howey beherrscht diese fast perfekt.

Fazit – „Silo“ – Hugh Howey:

Howey zeigt, dass wir noch nicht alles im Genre „Endzeit“ gelesen und gesehen haben. Silo ist erfrischend anders und neu, wartet mit großartigen Charakteren auf und zeigt ein Pacing (Tempo in der Dinge passieren und ablaufen), von dem sich einige Bücher noch etwas abschneiden können. Howeys Schreibstil ist großartig, verspielt und kunstvoll, was in Zeiten von abgedroschenen Floskeln eine angenehme Abwechslung ist. Ein Buch, das kein längeres Fazit benötigt, denn es spricht komplett für sich selbst.

Danke an Piper für das Rezensionsexemplar!

Erschienen am: 12. März 2013
Seiten: 552
Format: Taschenbuch
Autor: Hugh Howey
Preis: 10,99€
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