Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) – John Green

19-mal war Colin verliebt, jedes Mal hießen die Auserwählten Katherine – und immer haben sie ihn abserviert. Sein Freund Hassan – der immer einen guten Witz auf Lager hat – sieht nur eine Möglichkeit: Colin muss sein Leben ändern! Dazu soll er mit ihm quer durch Amerika fahren – ohne Ziel, nur mit dem Mut zum Abenteuer. Ein Albtraum für Colin, der lieber in Ruhe sein Schicksal analysiert. Trotzdem reist er mit. Im Gepäck: sein Liebestheorem, mit dem er vorausberechnen will, wann ihn eine Freundin abserviert.

Jedes einzelne von John Greens Büchern hat einen Aufhänger und genau dieser sollte auch bei „Die erste Liebe“ nicht fehlen. Doch bevor ihr euch jetzt langsam und ein wenig abgestoßen von dieser Rezension entfernt, der Titel ist keine gute Wahl, aber dazu komm ich später noch – bleibt noch kurz.

Die erste LiebeNach der neunzehnten Trennung von einer Katherine hält Colin es nicht mehr aus, ebenso wie sein bester Freund Hassan. Hassan schleppt ihn also ins Auto und fährt mit ihm weg. Wohin? Keine Ahnung, Hauptsache weg. Währenddessen versucht Colin stets herauszufinden, wo jetzt eigentlich das Problem an seinen Beziehungen lag und versucht das in seinem Theorem herauszuarbeiten. Irgendwann kommen die beiden in der typisch amerikanischen Kleinstadt Gutshot an, in der sie Lindsey treffen, die das Leben der beiden für die nächsten Wochen ordentlich auf den Kopf stellen wird.

Die Geschichte schreitet recht langsam voran, es passiert nicht wirklich etwas erwähnenswertes und außer Lindsey sind die anderen Bewohner Gutshots furchtbar langweilig, könnten klischeehafter kaum sein und nerven wie die Hölle. Auch Lindsey ist nicht gerade die authentischste. So richtig verständlich ist ihr Verhalten oft nicht, gerade im Bezug auf Colin – also den anderen Colin. Dass sich Menschen in Gesellschaft mit anderen verändern können ist das eine, aber eine völlig andere Person sein, erscheint mir irgendwie ein wenig zu weit hergeholt.
Durch recht belanglose Geschehnisse plätschert die Geschichte so dahin, eigentlich ausschließlich um zu rechtfertigen, warum Colin mit dem Theorem nicht voran kommt. Lindsey spielt dabei eine große Rolle und wächst immer mehr in diese hinein, gesteht sich Dinge ein und wird authentischer.
Doch die Geschichte verliert einfach nicht diesen widerlichen „Kindergartenscheiß“-Geschmack, den viele Coming Of Age-Bücher nicht ablegen können. Doch Green kann das eigentlich, weshalb mir die Geschichte auch während des Lesens extrem auf die Nerven ging.

Colins Liebe für Anagramme und Gleichungen ist unglaublich unterhaltsam und ein richtig schöner Stil, dem Charakter Leben zu geben. Auch Hassen ist ein sehr eigener, aber unfassbar liebenswerter Typ. Lindsey ist stinklangweilig, was eigentlich gar nicht Greens Stil ist. Die weibliche Charaktere seiner Geschichten sind durchweg stark, eindrucksvoll und liebevoll.

Wo wir auch schon bei dem größten Problem angelangt sind – dem Titel. Der deutsche Titel passt ungefähr genau so gut zu dem Buch, wie ein rechteckiger Klotz in ein rundes Loch. Der englische Titel „An Abundance of Katherines“ ist viel charmanter gewählt, ein wenig selbstironisch und passt viel besser zu dem Buch. Doch damit ist das Buch leider kein Einzelfall. Schon „Margos Spuren“ könnte langweiliger nicht gewählt sein.“Papierstädte“, oder wie im Buch fälschlicherweise genannt „Plastikstädte“, wäre der einzig faire Titel gewesen.
Auf mich wirkt das wie ein gezwungenes Anpassen auf den deutschen Jugendbuchmarkt. Nicht nachdenken, viele Klischees, möglichst platt und auf keinen Fall zu tiefsinnig, oder zu kreativ. Der Trend tut mir im Herzen weh, gerade bei Autoren wie John Green, die in ihren Büchern beweisen, dass Jugendliche alles andere als eindimensional sind. Allein der Name „John Green“ ist schon ein Sellingpoint für sich. Spart euch die halbherzige, schnell hingekritzelte Pseudotitelei und werdet bitte endlich den Jugendbüchern gerecht, liebe Lektoren und Verlage. Bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, hat es doch auch halbwegs geklappt.

Greens Schreibstil ist und bleibt einer der besten unserer Zeit. Die Geschichten fühlen sich leicht an, lesen sich in einem weg. Selbst, wenn wie hier der Plot ein wenig zu wünschen übrig lässt. Die Einbindung der Anagramme und der Graphen macht richtig Spaß und vor allem die Erklärung im Anhang ist großartig.

Fazit – „Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“ – John Green:

„Die erste Liebe“ ist definitiv das Schwächste von Greens Büchern. Die Charaktere sind außer Colin und Hassan furchtbar eindimensional und öde, was man so von John Green eigentlich nicht kennt. Der Schreibstil ist jedoch wirklich gut und macht das Buch absolut erträglich. Graphen, Anagramme und Colins Denkstil machen Spaß und zeigen ganz gut, mit welchen Problemen man in seiner Jugend zu kämpfen hat, wenn man eben nicht wie alle anderen ist.
Jedem, der die Geschichte trotzdem lesen möchte, lege ich die Originalausgabe ans Herz. Die deutsche Übersetzung ist wirklich gut, gerade in Hinblick auf die Anagramme, doch auf Englisch funktioniert sie doch irgendwie einen Ticken besser.

Danke an Hanser für das Rezensionsexemplar!

Erschienen am: 22. August 2016
Seiten: 288
Format: Hardcover
Autor: John Green
Preis: 18,00€
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