RiME – Run, Golden Boy, Run

Mein Weg führte mich durch Schatten und durch Licht. Sie fraßen mein Glück, doch dich nahmen sie mir nicht. Und plötzlich war da noch jemand anderes. Ein Licht im Dunkeln, ein ganz besonderes. Ein Wesen, aus einer alten Welt, dass es sowas noch gibt. Steinalt, langsam, gebrechlich und scheinbar so antik. Er vertraute mir von Anfang an und stellte mir das Wichtigste dar. Dass Abschied manchmal wichtig für einen Fortschritt war. Denn wenn ein Held stirbt und geht, steht ein neuer bereit für den Rest des Wegs.

RiMEAufgewacht an einem Strand – ohne Antworten auf Wieso, Weshalb und Warum, stolpern wir durch die Welt von RiME. Eine wunderschöne Insel, strahlend blauer Himmel und Möwenkreischen in der Ferne. Eine Wildschweinfamilie versperrt uns den Weg zu einem blau leuchtenden Etwas, das große Lichtsäulen an den Himmel wirft, wo sie sich zu einer Art Polarlicht sammeln und atemberaubend zwischen den Sternen glitzern. Mit einem Schreien sammeln wird die Lichter ein, sie fliegen ihren Weg zurück und erlauben uns weiter zu laufen. Grob und einfach gesagt ist das auch schon die Spielmechanik von RiME. Hier und da noch durch ein paar Löcher schauen, Kugeln tragen und Kisten schieben. Das wars. Doch das reicht, um den Spieler lang genug bei Laune zu halten und das Spiel nach einigen Stunden vollkommen fertig auszumachen.

Mein Fuchs und ich

Gemeinsam mit unserem Fuchs stolpern wir nun durch diese überraschend abwechslungsreiche Welt. Zwischen Meer, Wüste, Höhle und Türmen gibt es unfassbar viel zu entdecken und damit entpuppt sich RiME nach einigen Stunden zu einem kleinen Überraschungspaket. Denn das Spiel fährt mit einer großartigen Vielfalt auf und bringt in jedem Abschnitt neue Elemente mit. Der Fuchs spielt dabei den „roten Faden“ und führt uns durch die Level. Die Welt scheint offen zu sein, trotzdem weiß man immer direkt wo man hin muss. Sollten wir uns doch mal auf der Suche nach den Collectibles verirren, hören wir in der Ferne wieder unseren Fuchs bellen und wissen, wo wir lang müssen.

RiME

In allen Ecken … etwas stecken?

RiME packt mit den Collectibles etwas aus, was ich lange in vielen Spielen vermisst habe. Leicht zu programmieren und umso schöner wenn sie dabei sind. Wer die Umgebung sorgfältig absucht, wird belohnt und findet Dinge, die sogar direkt ins Spiel eingebaut werden. Das bringt nicht nur den Trophyhuntern etwas, sondern erhöht auch deutlich die Aufmerksamkeit, die man dem Spiel entgegenbringt. Denn genau das ist es, was RiME gut kann, eine großartige Spielwelt erzeugen. Mit Kopfhörern wird man in einem Immersionsstrudel gezogen, aus dem man sich nur durch das Klingeln an der Tür oder dem Spielende ziehen kann. Der Soundtrack ist fantastisch und die Umgebung einfach sehr liebevoll. Man merkt zwar, dass es ein Indie-Titel ist, der Qualität tut das trotzdem keinen Abbruch.

Laufen, Springen, Werfen und … Schreien?

An Spielmechaniken hält RiME sich sehr zurück, was aber ganz gut in das minimalistische Konzept des Spieles passt. Denn neben den begrenzten Mechaniken wird in dem ganzen Spiel kein Wort verloren. Indie-Liebhaber werden sich hier sofort an  Journey erinnert gefühlt haben, was nicht nur einmal vorkommt. Auch die Ähnlichkeit zu Last Guardian ist unverkennlich. Denn RiME ist zwar ein wunderschönes Spiel, macht aber neben der Story nichts neu. Die offene und trotzdem schlauchige Welt, die minimalistischen Interaktionsmöglichkeiten, ja sogar die grausige Kollisionsabfrage und die ruckelnden Screens (auf der PS4),  kennen wir bereits aus The Last Guardian. Das „Wer bin ich, warum und oh, ein Tier, das mit mir die Story erlebt“, ist so leider einfach nichts neues. Und den „Oh da ist was am Horizont, da muss ich hin“-Anblick des Turmes kennen wir aus Journey. Dann noch das leicht mysteriöse Gefühl, seltsame Wesen, Wandbilder und eine scheinbar eigenartige Motivation, die aus dem tiefsten Inneren kommt? Das kommt einem doch schon erschreckend bekannt vor. Und trotzdem fühlt es sich nicht aufgewärmt an, sondern eher vertraut und man ist recht schnell in diesem Flow drin, den alle diese Spiele mit sich bringen.

RiME

Doch Tequila Works machen einen Move, den ich ehrlich gesagt nicht erwartet habe – sie zeigen Eier. Denn im Gegensatz zu Journey, wo das Ende eher ein „Ahaaaa!“ ist und The Last Guardian, wo alles unfassbar dramatisch, herzzerreißend und grausam ist, ist RiME einfach ein Schlag ins Gesicht. Mit Anlauf. Und einem Baseballschläger. RiME zeigt uns auf diesem Wege, dass man ohne Worte eine Bindung aufbauen kann, die auch in schlechten Zeiten besteht, aber innerhalb weniger Sekunden zerstört werden kann. Und ich spreche hier nicht vom Fuchs. Denn so ist das Leben nun mal. So schafft es das Spiel, in dem wir eben noch fröhlich mit unserem Fuchs durch Sonnenuntergänge gehüpft sind, zu vermitteln, dass das Leben unverhofft und verdammt schmerzhaft zuschlagen kann. Und dann lässt es uns liegen, in einer scheinbar hoffnungslosen Welt, bis wir lernen die Dinge zu akzeptieren wie sie sind.

Fazit – „RiME“

Durch recht bekannte Elemente in einer schönen, unfassbar abwechslungsreichen und überraschend großen Welt ist RiME kein revolutionäres Spiel, macht aber trotzdem verdammt viel richtig. Die Storyline ist wunderschön, der Minimalismus fast schon künstlerisch und der Soundtrack eine Wucht. Die droppenden Frames und das manchmal etwas hakelige Movement lernt man dann doch recht schnell irgendwie lieben. Denn es kommt dieses The Last Guardian-Gefühl auf, Kinder sind nun mal tollpatschig. Die Rätsel hätten an eigentlich allen Stellen deutlich knackiger sein können und fordern leider nicht wirklich. Wer jedoch auf Indie-Games, emotionale Geschichten und kleine grafische Kunstwerke à la Firewatch oder The Witness steht, kann diese Fehlerchen verschmerzen und wird eine großartige und schmerzhafte Zeit mit RiME haben.

Erscheint am:  26. Mai 2017
USK: 6
Publisher: Grey Box Games
Entwickler: Tequila Works, Tantalus Media
Konsole: PS4 (gespielte Konsole), PC, Xbox One
Kaufen: Amazon*,  SteamPS-Store, XBox, Nintendo Switch

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