KLARTEXTE: Von traurigen Routinen und Unendlichkeit

Bücher, Filme und Songs drehen sich oft um das Thema Undendlichkeit und um dieses unglaubliche Gefühl, wenn man jung ist.
Diese besonderen Momente, in denen man mitten im Leben steht, diese Momente, die Gänsehaut über den ganzen Körper schicken und diese Momente, in denen man sich unendlich fühlt.
Doch was hat es damit auf sich?
Das Buch „The Perks of Being a Wallflower“ setzt sich mit diesem Thema ganz besonders auseinander. Es hat neben John Green Büchern die wahrscheinlich besten Phrasen, die das Jungsein beschreiben. Diesmal möchte ich aber auf diesen Teil eingehen:

This one moment when you know you’re not a sad story. You are alive, and you stand up and see the lights on the buildings and everything that makes you wonder. And you’re listening to that song and that drive with the people you love most in this world. And in this moment I swear, we are infinite.

Diese Sätze lösen Gefühle aus, die jeder kennt. Das Gefühl das erste Mal mit der besten Freundin oder dem besten Freund in einem Auto zu sitzen, ohne Eltern, laute Musik und man bekommt diese volle Ladung Freiheit ab und man genießt es einfach jung zu sein. Man merkt, dass man voll in Ordnung ist, wie man ist und, dass das Leben echt geil sein kann.
Ist das das Gefühl der Unendlichkeit? Das Gefühl so tief in diesem Moment zu stehen, dass man die Freiheit spürt? Einen Moment so sehr zu spüren, dass man sich wünscht, dass er nie zu Ende geht?
Ich habe das Gefühl von Tag zu Tag weniger wahrzunehmen. Schwindet die Wahrnehmung, je älter man wird? Wird man immun gegen diese Momente?
Ich werde stumpf für die Momente, die ich früher gemocht habe und für das, was um mich herum passiert. Ich sehe Menschen, Autos, Fahrräder, Züge und Lichter an mir vorbei ziehen und an der Stelle, wo ich mich früher gefragt habe „Woran denkt die Person grade?“ oder „Wo fährt der Zug hin?“, denke ich nur noch an „Die Bahn ist bestimmt spät dran“ oder „Ist der Penner grade wirklich bei rot gefahren?“.
UnendlichkeitIch lebe in einer Routine, die keine besonderen Momente zulässt, weil ich die Gefühle ausschließe. Weil das alle so machen. Weil keiner mehr Zeit dafür hat.
Wir weigern uns solche Gefühle freizusetzen oder lassen sie einfach nicht zu. Weil wir über 16 sind? Weil „been there, done that“?
Doch man sollte sich vielleicht die Frage stellen, wieso sich solche Bücher immer um Jugendliche drehen. Sind wir nicht mehr naiv genug um diese Gefühle zu spüren?
Ich höre Musik von früher, schaue Serien und Filme, die mich daran erinnern welche Gefühle ich damals hatte und lese Bücher um noch mal lesen zu können, wie es wohl ist „unendlich“ zu sein und den Figuren und den damaligen Gefühlen nachzutrauern.
Die Zeit ändert sich und auch ich ändere mich, doch das ist noch lange kein Grund dafür aufzuhören nach Dingen zu streben, die mir mal wichtig waren. Gefühlen nachzujagen, die ich als „schön“ empfinde. Diesen Momenten nachzurennen, weil sie mich glücklich machen.
John Green und Stephen Chobsky beschreiben Gefühle, die wir aussperren, weil wir „zu alt für den Scheiß“ sind. Zu alt für Erfahrungen, zu alt festzustellen, dass wir keine traurige Geschichte sind, zu alt für dieses Gefühl der Unendlichkeit, zu alt für „diese Bücher“?
Vielleicht müssen wir aus der Routine ausbrechen, uns neuen Aufgaben stellen, blind und erwartungslos durch die Welt laufen und einfach mal unsere Vorurteile ablegen, um festzustellen, dass da draußen mehr lauert, was diese Gefühle in uns auslösen kann. Die standardmäßige Negativierung weglassen und auf uns und die Welt einfach mal netter und offener blicken.
Wir müssen mehr das tun, was uns undendlich in Erinnerung bleibt mit den Menschen, die uns glücklich machen, mit der Musik, die uns Gänsehaut bereitet und uns ganz tief einatmen lässt, wenn wir an dem Ufer eines Sees stehen, den Fluss vorbeirauschen sehen, während wir die Füße ins eisig kalte Wasser halten und die Steine unter uns spüren, mitten auf der Autobahn die Fenster runterfahren, auf eine Stadt und all ihre schönen Facetten sehen, wenn grade die Sonne untergeht, mit Freunden in der Sommersonne auf dem Rad durch den Wald rasen oder jeder andere Moment, der einem so viel mehr gibt, als all diese Momente, die wir kennen und jeden Tag erleben.
Die Momente, die uns wieder zeigen, dass diese Bücher, diese Musik und diese Sätze nicht bloß erfunden sind. Die Momente, die uns zeigen, dass wir wirklich keine traurige Geschichte sind.
Die Momente, in denen man in jeder kleinsten Pore fühlen kann, wie sich das Leben an fühlt. Sich selbst davon überzeugt, dass man nicht nur in einer traurigen Routine lebt und sich daran zu erinnern, wie es sich an fühlt unendlich zu sein.

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