Ein Garten für zwei – Emma Sternberg

Vor einigen Jahren habe ich begeistert „Fünf am Meer“ gelesen und es geliebt. Danach folgte „Azurblau für zwei“ was mich total enttäuschte. Es war so oberflächlich, so eindimensional.
Als ich sah, dass es „Ein Garten für zwei“ gibt, habe ich mich entschieden Emma Sternberg noch eine Chance zu geben.

Das war mein erster Fehler.

Lu ist smart, schnell und als Anwältin in einer Top-Kanzlei supererfolgreich. Doch dann stirbt ihr großer Bruder Pip und mit einem Mal weiß Lu nicht mehr, wo oben und unten ist. In Pips Gartenlaube will sie sich erst nur verkriechen, doch dann wird es Frühling. Die Natur erwacht, und während Lu in der Erde wühlt, entdeckt sie nicht nur, dass Glück etwas ist, das man mit den Händen greifen kann. Sondern auch, was sie vom Leben wirklich will.

Ich möchte das Buch an dieser Stelle nicht maßlos zerreißen, weil ich mir durchaus die Frage gestellt habe, ob ich überhaupt die Zielgruppe bin, aber das Buch war einfach nicht gut.
Ich mag die Idee, den Ansatz, mal was Neues und auch die „Moral der Geschicht“ ist eine schöne, wenn auch keine wirklich neue und kreative. Jedoch ist das Buch voll mit Fehlern. Und damit meine ich nicht nur die schieren Mengen an Rechtschreib- und Wortfehlern. Da wurde nämlich aus „Mit angehaltenem Atem“ mal schnell „Mit angehaltenem Abend“ oder auch „wir“ wurde „wie“. Als hätte meine Autokorrektur einiges aus diesem Buch geschrieben. Ich bin sehr stark darüber gestolpert und war wirklich überrascht davon und enttäuscht.


Nun aber zurück zu den eigentlichen Problemen des Buches.
Dass man Lu nicht lieben soll, sondern irgendwie unangenehm und nervig finden soll, ist ein Stilmittel, dass recht faul ist. Denn es erzeugt einen Character Development Arc, der schlichtweg ausgenutzt ist. „Von der zickigen, eingebildeten Frau zur reflektieren, Naturschönheit“, ist eine Wahl, die ich vergleichbar aus Teeniefilmen kenne.
Lu ist so unfassbar unsympathisch, ich hätte mich am liebsten während des Lesens noch von ihr entfernt. Sie oberflächlich und eindimensional geschrieben, was die Geschichte selbstverständlich verlangt, jedoch ist es einfach unkreativ umgesetzt. Lu nervt 90% des Buches und wirkt weniger wie eine Berliner Anwältin, sondern eher wie eine New Yorker Upper Eastsiderin, die aus Gossip Girl herausgeplumst ist. Klischees und Vorurteile sind wichtige Werkzeuge wenn man eine Geschichte und eine Welt baut, doch Sternberg nutzt einfach alles an Klischees, was nur geht. Jeder einzelne Punkt um Lu ist klischeehaft und maßlos überzeichnet. Sie trink kein Bier, nur Champagner. Kocht selber nicht und geht nur essen. Hat keine festen Schuhe im Schrank, und eine Gartenlaube ist das Grausamste, was sie sich vorstellen kann.
Auch Niko, Nele, Fritz, Saskia und Felix sind furchtbar langweilig. Sie stellen die Extreme dar, die Lu beeinflussen und ihr bei der Realisation helfen, dass ihr Leben in Berlin doch eigentlich scheiße ist und eine Gartenlaube die einzige anzustrebende Zukunft darstellt – als könnte es nicht beides in einem Leben geben. Dabei sind sie aber leider mit so dickem Textmarker markiert, dass es fast keinen Spaß mehr macht zu lesen. Die Menge an Klischees machen das Buch unfassbar seicht und belanglos. Es ist die klassische „ich musste mal raus und das hat mein Leben verändert“-Geschichte. Ein seichtes, leichtes Buch, das schlichtweg einfach keine Bedeutung hat. Und das ist unglaublich schade. In Zeiten von Burnouts könnten solche Bücher so wichtig sein, jedoch reicht „Ein Garten für Zwei“ einfach nicht qualitativ über die Geschichten hinweg, die ich mit 15 in meiner Freizeit geschrieben habe – und das nicht, weil ich eine gnadenlos begabte Autorin war.
Irgendwann habe ich angefangen das Buch flüchtig zu überfliegen und immer ein bisschen schneller zu blättern. Ich wollte es nicht abbrechen, weil ich wusste, dass es kein Kampf wird es zu beenden. Und ja, ich war neugierig was passiert und konnte am Ende über den Plot schon noch lächeln und fand den Ausgang des Buches auch recht schön.
Ich bin eher enttäuscht von dem Buch, weil es so viel mehr seien könnte. Vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu hoch. Vielleicht brauchte ich es auch als Beweis dafür, dass diese Art von Büchern nicht mehr mein Geschmack sind. Aber ich weiß, dass gute, leichte Romane da draußen sind. Denn ich habe „Fünf am Meer“ von Emma Sternberg gelesen. Und das Buch ist fantastisch. Vielleicht findet sie ja zu der Form zurück

Alles in allem eine Enttäuschung. Es gibt bestimmt viele Menschen, die dieses Buch mögen werden, ich gehöre jedoch nicht dazu. Es ist mir viel zu oberflächlich, ja sogar zu überzeichnet oberflächlich.
Ich mag das Coverdesign und auch der Titel ist ganz nett, jedoch ein wenig eigenartig, wenn man bedenkt, dass das letzte Buch „Azurblau für zwei“ hieß. Vielleicht wird es ja eine Reihe an Büchern, dann wäre es akzeptabel.
Dass in dem Buch so viele Schreibfehler drin sind, hat mich erschüttert. Und das werfe ich keinesfalls der Autorin vor. Die passieren halt. Jedoch frage ich mich ob das Lektorat hier Druck hatte, oder wie es zu dieser Dichte an Fehlern kommen konnte.

Danke an Heyne für das Rezensionsexemplar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.