Und nebenan warten die Sterne – Lori Nelson Spielman

Als Annie erfährt, dass ihre Schwester Kristen bei einem Zugunglück gestorben ist, bricht eine Welt für sie zusammen. Sie sollten beide in diesem Zug sein – auf dem Weg zur Uni. Annie fühlt sich schuldig am Tod ihrer Schwester. Sie sucht Trost bei ihrer Mutter Erika, doch diese flüchtet sich in ihre Arbeit. Annie begreift nicht, was mit ihrer liebevollen Mutter passiert ist, die für jedes Tief einen Rat wusste, deren Lachen so ansteckend war und deren Liebe die Familie zusammenhielt.

Was ist eigentlich das Wichtigste im Leben? Geld? Familie? Karriere? Liebe?
Dieser Frage muss sich Erika stellen, als ihre Tochter Kristen bei einem Zugunglück ums Leben kommt. Auch Annie, Kristens Schwester kämpft sehr mit der Trauer, die dieser Unfall mit sich brachte. Doch anstatt zusammenzuhalten, scheinen Mutter und Tochter einfach nicht zusammenzufinden. Sie streiten sich, bis sich ihre Wege dann letztendlich trennen. Denn beide können und wollen nicht so richtig glauben, dass Kirsten tot ist.

 

Schmerzt verlangt gespürt zu werden

Wenn der Name Lori Nelson Spielman fällt, sind Emotionen, Tränchen und eine großartige Geschichte vorprogrammiert. Auch „Nebenan warten die Sterne“ schlug deshalb sofort bei mir ein und entpuppte sich dann doch als etwas anderes Buch.
Während die Vorgänger „Morgen kommt ein neuer Himmel“ und „Nur einen Horizont entfernt“ zwar auch einen Schicksalsschlag als Aufhänger hatten, ist „Und nebenan warten die Sterne“ irgendwie völlig anders. Das Buch fühlt sich schwer an, melancholisch. Der Schatten von Kristens Tod liegt schwer auf der Geschichte und jedes Umblättern schmerzt, weil man Angst vor dem hat, was auf der nächsten Seite lauert.

Es sollte niemandem schwer fallen sich früher oder später entweder in Erika oder in Annie wiederzuerkennen. Die beiden sind vielschichtig, authentisch und handeln komplett nachvollziehbar. Sie haben beide ihre Schwächen, ihre Stärken und vor allen Dingen ihren Stolz. Das müssen sie auf den schmerzhaften Weg erfahren und beide reagieren ähnlich enthusiastisch auf Hoffnungsschimmer.

Das gewählte Stilmittel der Mails als Hoffnungsträger gefällt mir unglaublich gut. Es bringt Anonymität und doch Realität mit sich; es spricht nichts dagegen, dass wirklich jemand diesen Weg wählt. Gepaart mit Spielmans unfassbar gutem Schreibstil ist dies das Erfolgsrezept, was schon bei den Vorgänger gut funktioniert hat. Die Emotionen sickern förmlich aus den Seiten und nicht nur einmal hatte ich Tränen in den Augen und habe meine Mutter beim nächsten Treffen ein wenig fester und länger gedrückt. Die Geschichte schafft etwas, das nur wenige Geschichten schaffen – sie führt zur Selbstreflexion. „Verhalte ich mich genau so?“, „Denkt meine Mutter genau so über mich?“, „Hätte ich genau so gehandelt?“. Und genau das sind die Fragen, die man sich nach einem guten Buch stellen muss. Diese Fragen machen ein gutes Buch aus.

Und nebenan warten die Sterne

Wenn fasst alles stimmt

Pacing, Wortspiele und Wortwahl sind großartig und gerade wenn man das Gefühl hat, eine Sekunde Pause zu haben, holt Spielman noch mal aus und feuert weiter. Ohne dabei in unbegründete Grausamkeit zu geraten, was leider vielen Romanautoren passiert. Dem Charakter ist Grausames passiert? Hier, noch eine Kündigung vom Chef, eine Geldstrafe und zwei uneheliche Kinder. Spielman hat die großartige Fähigkeit feinfühlig zwischen furchtbaren Geschehnissen und wunderschönen Momenten zu wechseln, ohne, dass der Kontrast zu stark wirkt. Es wirkt trotzdem wie das echte Leben – und das ist fantastisch.
Nur eine Kleinigkeit muss schlichtweg noch erwähnt werden. Die Titelwahl ist ein wenig zu kitschig. Bei „Und Morgen kommt ein neuer Himmel“ hat sich der Titel noch recht gut an die Story geschmiegt, was bei „Und nebenan warten die Sterne“ leider ausbleibt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl und Titelsuchmühe wären hier schön gewesen.

Fazit:

Lori Nelson Spielman beweist erneut, dass sie es raus hat. Raus hat, eine tragische Geschichte zu schreiben, diese in wunderschöne Worte zu kleiden, ohne zu tief in die Dramakiste zu greifen. Die Charaktere fühlen sich greifbar an, die Beziehungen nachvollziehbar und authentisch. Der Schreibstil ist fesselnd und der einzige Grund weshalb man ein Ende ersehnt, ist, dass man sich ein baldiges, gutes Ende für die Charaktere wünscht.

Erschienen am: 29. September 2016
Seiten: 384
Format: Taschenbuch
Autor: Lori Nelson Spielman
Preis: 14,99€
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